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Hier entsteht gerade eine neue Textserie, ein Zyklus in Borbecker Platt aus dem Ruhrgebiet, mit Ilse Schmidt vom Kiosk. Scharfäugige und zugleich satirische Betrachtungen des Alltags im Zusammenhang mit den angeblich so wichtigen Leuten aus Politik und Wirtschaft, aus den Kirchen und am allerwichtigsten, aus der unmittelbaren Nachbarschaft, aus dem Ruhrgebiets-Kiez, aus der Sicht der kleinen Leute, die angeblich nicht wirklich verstehen, was ihre sogenannten Volksvertreter und die großen Bosse alles für sie entscheiden und sie im Endergebnis vor vollendete Tatsachen stellen. Die Zeche müssen immer sie bezahlen, die folgenden Realitäten leben, ob es ihnen passt oder nicht.

Ursprünglich war es eine monatliche Rubrik aus “DurchBlick”, der Zeitschrift des Selbsthilfeforums menitas., hier wird es jetzt neu über- arbeitet und zum Lesen eingestellt. Keine hochgestochene Literatur, sondern literarisch erzählter Alltag der kleinen Leute mit ihren so oft unterschätzten und missachteten Sorgen im Kampf um die schwer angeschlagene Existenz, parteiisch und augenzwinkernd, - aber deswegen nicht weniger ernst zu nehmen. Hier ist die 1.Folge, in der Sie Frau Ilse Schmidt und ihre Art zu leben, zu denken, zu handeln kennenlernen können. Bald folgen weitere - und in absehbarer Zukunft ein Mini-e-book mit allen Ilse Schmidt Kurzgeschichten in Borbecker Platt.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei ... und mir viel feed-back ...

Alayna A. Groß

Tachchen auch, na, wie is et?
Jut, auch so.

Ich bin de Ilse, de Ilse Schmidt, vom Schmidtchen.
Wie, dat kennen se nich?
Den Kiosk von ne Brahmstraße, in Dellwich?
Ich will euch jerne wat von mein Alltachjedöns verzähln, helfen bei de Lösung, von ne Problemchen, von ne kleene Leute hier un all dat, wat da so dranhängt.
Wenn se mich ma besuchn wolln, jerne, - nur keene Hemmungen.
Na, wissen se getz, dat kleene rote Häusken mit de bunten Bilders, mitten inne Siedlung, eijene Scholle un so.
Ich nenn de Siedlung so, weil hier fast allet verkauft wurde, von wejen Eijentum für de Arbeiters.
Nee, dat hat allet so en Imobilienfritze jeschluckt, monatelang saniert. Getz will der dat für viel Jeld verscherbeln, natürlich ers an ne Bewohners anjeboten.
Aba, wo nich viel is, is nich viel zu holn.
Pffft, die Emmi Mayer, die mit ay mein ich, von ihre kleene Rente soll se dat zahln.
Wie denn, wovon denn?
Na, ihre Erben werdn sich bedankn. Kriejen en Haufn Schuldn.
Ich sach nur, amerikanische Verhältnisse.
Häuser kaufen ohne Knete.
Man sieht ja, wat draus jewordn is, in ne janze Welt. Von wejen Lehmann Brathers, dafür muss sojar auch Dellwich blutn.
De kleene Peter von nebenan, de Woche konnt er sich bei mir nich ma keene Gummibärchen kaufen.
Hab ihn jefracht: „Peter kommse de Woche nich?“
„Nee, Tante Ilse, hab ken Taschenjeld jekriecht. Papa hat seine Abeit verlorn.“
Dat hat mich denn doch richtich anjepisst.
Da hab ich em Peter paar Bärchen jeschenkt.
Sein Vatta schraubte bei Opel … und is vor Weihnachten entlassen worden.
Er hätt ja für dat halbe Jehalt un mehr Arbeit mit nach Timbuktu jehen können, sachte Obacheffe.
Na, wie witzich … die fünf Blajen, nebst Olsche, hätt er ja dann dort verkloppn könn.
Nee, aba auch, wat et allet jibt.

Seid ihr alle eijentlich alle jut reinjekommen?
Na, in dat neue Jahr.
Hier wurd nich so viel jeballert, dat macht nix. Dafür saßen wir an et Büdchen un ham uns en Grock jetrunken, Sektchen jab et um Mittanacht. Wir ham alle aufe Straße jestanden.
Is ma wat anneret, wenn ma in ne Jemeinschaft lebt. Da sieht ma auch, wer allet nich mehr am Leben is.
Wie de Omma Bollmann, die is an Heilichabend einjeschlafn, mitten in Festschmaus. Hat ers keener jemerkt. Als de Jupp mit en Schnäpsken mit seine Mutta anstossen wollt, hat er mitjekriecht, dat se von uns jejangen is.
Is ja auch ne alte Frau jewesen, an die achzich, aba im Kopp noch janz fit.
Na jut, manchmal hat se de Haustür nich jefunden. Dat lach an ihre schlechten Aujen. Nu is se auffe letzte Reise jejangen, un jut is.
Vielleicht hätt se sich noch mit 60 en Kind einpflanzen solln, dann wär se nich so alleene jewesen.
Nee, watn Blödsinn.
Ich musst an ne Sängerin denken, na, die Nanini. Früha kam se ausse Betten von ne Kerle nich mehr raus, dann Drojen un so weita. Ihr Bruder war Rennfahrer, auch son Leichtfuß. Hat bei et Autorennen seine Hand verloren, im Kräsch.
Un nu lässt sich seine Schwester mit 54 en Blach einpflanzen.
Ja, natürlich jeht so wat nich mehr, dat is doch pervers. Penelope heißt dat Kind und se hat ne Lobhudelei auf et jeschriebn, dat se solange auf se jewartet hat, un blablabla …
Wenn et nich um ein Leben jehen würd, wär mir dat scheißejal.
Aba sowat, nee ...
Na, wat sacht ihr zu dat Wiki … nich dat Viki-Leandros … nee, Wiki-Leaks, den Assange mit sein unjebetenen Jeheimnisverrat ... der ja eijentlich keener is. Et jet ja um dat, wat uns alle anjet, wat wir alle wissen sollten.
So viel Demokratie muss schon sein.
Dat et Angela nich alle Latten auf en Zaun hat, wussten wir schon lange. Aba se mit ner Teflon-Pfanne zu vergleichen … so jut sieht se nun wirklich nich aus. Et bleibt nix hängen
bei ihr. Et is ihr allet scheißejal, auch de Sorjen von ne kleene Leute.
Deswejen wohl den Verjleich mit Teflon.
Auch bei unsern Draußenminister, nix neuet. Eitel, inkompetent un machtversessen, wissen wir doch schon lange, kann uns nich umhaun.
Dat de Politikers schon übanander herziehn, is auch nich neu, - aba dat in ne Akte zu schreiben …
Wie blöd muss man da sein?
Aba de Amis sin ja oft nich janz dicht, dat wussten wir ja. Kannse en Ei drüba schlagn.
Et jibt imma noch zu viele Leute, die ihrn Kopp in nen Sand steckn. Nachher wolln se nix von nix jewusst habn, - oda se kommen mit en dummen Spruch: „Was können wir schon ändern?“
Klar, könn wir wat ändern.
Wer sons, wir wähln de Politikers.
Aba wat willse sajen, Menschen die in ne Kirche Kinderschänder dulden, - wat willse von denen erwartn. Allet wird totgeschwiegn oda für en Appel un en Ei heilich jelabert.
Dann kommt Wiki und zeicht janz offen de Schweinereien von ne Drecksäcke.
Dat is zu viel an Nachdenken für dat Volk, so wat solln wir nich wissn.
Dumm jeboren, dumm erzojen, dumm jestorben, - so is es jut.
De Jleichjültigkeit in ne Jesellschaft schreit zum Himmel. Jeda macht nur für sich, nach mich de Sintflut. Bis se irjendwann wirchlich kommt, dann is Schicht im Schacht.
Bei uns is keene heile Welt.
Aba wenn Not an Mann is, steht jeda für jeden ein.
Weiter so, auffe nächsten Jahre

So, Leute, dat bin ich, also, de Ilse, aus em Schmidtchen, kommt doch ma rüba, auf en Pläuschken. Würd mich freuen.
Getz muss ich de Frikadelln fettich machen, de Heinz kommt jleich. Der nimmt imma ne Portion Bremsklötze mit Senf auf en Weg.
 

Tachchen auch, man sieht sich, eure Ilse.
 

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