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Jenny



Es war jedes mal dasselbe.
Carmen und Calvin veranstalteten eine Party oder einen Grillnachmittag, die Sonne schien vom strahlendblauen Himmel, es herrschte wunderbares Wetter und angenehme Tempe-raturen ließen die Luft wie lebendig erscheinen, sie kribbelte auf der Zunge. Nicht zu heiß, aber auch nicht die Spur kühl, eben genau richtig, die Hormone begannen zu tanzen, die richtigen Jungs und Freundinnen hatten zugesagt, alles in hervorragender Ausgangs-position.
Jenny freute sich auf die ausgelassene Stimmung, ein wenig flirten, ein wenig fummeln, vielleicht sogar knutschen, ein paar Flaschen Bier, ein paar schnelle Feiglinge, dann wurde es erst richtig antörnend die Hände des heißesten Jungen vom Tage unter ihr hauchdünnes T-Shirt zu lassen. Da konnten sie dann zitternd und leicht verschwitzt nachfühlen, wie weit fortgeschritten ihre Entwicklung als 15-jährige schon war.
Jenny war stolze Besitzerin zweier hübscher wohlgeformter Brüste, noch nicht sehr üppig, aber absolut Klasse anzufassen. Sie liebte es zu wissen, dass die Jungs ihr hinterher gafften, dass sie davon träumten, einmal mit ganzer Hand ihre Brust umfassen zu dürfen, die kleine Brustwarze in der Handfläche zu spüren.
Das kribbelte, und Jenny wusste nur zu gut, wo es überall kribbelte.
Doch Jonas hatte alles verdorben, ihre Mutter einen dicken Strich durch die bereits aufgestellte Rech- nung gemacht.
Erwachsene und besonders Eltern waren schlicht nur blöde.
Warum musste ihre Mutter ausgerechnet an diesem Freitag länger arbeiten, weil es angeblich so viele Kundenaufträge in der Firma gab?
Sie besaß doch gar keine leitende Stellung, war nur Packerin in der Druckerei, in der sie schuftete und als Alleinerziehende das Geld ranschaffte, das ohnehin nie wirklich vorn und hinten reichte. Immerhin konnten sie alle drei gut davon leben, Jenny, Jonas und Helga, ihre Mutter.
Ihr Vater, Jenny konnte sich kaum wirklich an ihn erinnern, war schon vor Jahren auf Nimmer- wiedersehen verschwunden. Da war ihre Mutter gerade etwas mehr als 14 Tage von Jonas entbunden gewesen.
Wäre ihr Vater noch Teil der Familie, müsste ihre Mutter sicher nicht am Freitagnachmittag in der Firma schuften.

Für Jenny hieß das auf Jonas aufpassen, kaum, dass sie aus der Schule zurück und ihre Hausfrauen- aufgaben erledigt waren. Das nahm sie ja noch zähneknirschend in Kauf, dass sie für sich und Jonas das Essen wieder warm machen musste, dass ihre Mutter bereits vorgekocht hatte.
Aber es war der Tag vor dem Wochenende, ein herrlich warmer Mainachmittag und ihre Freunde warte- ten am Rheinufer auf sie. Da waren jetzt alle, die nicht arbeiten mussten oder die Schule hinter sich gebracht hatten. Ein Bierkasten ließ sich auch auf einem Fahrradgepäckträger hervorragend transpor- tieren, im eigenen Auto sowieso. Wahrscheinlich waren die Parkplätze und Randstreifen der Uferstraßen bereits wieder dicht zugeparkt und jede Menge dreckiger, blitzender und buntfarbiger Fahrräder waren überall auf den Wiesen verteilt.
Nur Jenny, sie musste auf Jonas aufpassen, sich mit ihm beschäftigen und mit ihm spielen. Er war schließlich erst fünf Jahre alt, kam nächstes Jahr in die Schule und war sehr verwöhnt und anspruchsvoll.
Nur zu gut wusste er, dass seine Mutter ihn heiß und innig liebte, ungeachtet der Tatsache, dass er die lebende Hinterlassenschaft jenes Mannes war, der sich von Helgas Seite verdrückt und sich seiner Familienverantwortung entzogen hatte. Ein einziges Wort der Beschwerde bei ihrer Mutter würde schon reichen, um Jenny die Möglichkeit der Teilnahme an der nächsten Rheinuferparty zu verbauen.
Dieses Mal hatte sie ihn zwar nicht allein gelassen oder abweisend links liegen lassen, ihre Mutter muss- te lediglich ein paar Stunden länger arbeiten.
Für Jenny war damit der Tag erst mal gelaufen, darüber brauchte sie keinen Gedanken mehr zu ver- schwenden.
Es war nicht gerecht, es war Scheiße.
Es gelang ihr nicht einmal ihre beste Freundin ans Handy zu kriegen. Da ging nur der Anrufbeantworter an. Also würde die sich fragen, wo denn Jenny nur blieb, genau wie ihre Freunde. Wie Alex, mit dem sie so gerne knutschte und ihm fast die Zunge heraussaugte, wenn sie erhitzt miteinander küssten und herummachten.
Marc würde auch da sein, Jennys eigentlicher Grund, warum sie Alex an ihrer Brust herumfummeln ließ und heiß machte. Marc war seit Wochen der begehrteste Junge in ihrer Schule, ohne feste Bindung, mit dunklen nackenlangen Haaren, einem etwas kantigen Gesicht, großen Augen und sinnlichen Lippen.
Jenny war sich verdammt sicher, dass er gut knutschen konnte.
Leider – oder besser zum Glück – gab es bisher keinerlei Bestätigung von irgendeiner Seite dafür. Aber Jenny versuchte seine Aufmerksamkeit zu erregen, ihn ein wenig eifersüchtig zu machen, ihn anzuspit- zen, - bisher ohne wirklich durchschlagenden Erfolg. Doch sie ließ sich dadurch nicht entmutigen, glaubte unbeirrt an ihre Chancen, wenn sie ihm nur genug Zeit widmen konnte.
Aber Jenny musste Babysitter für Jonas spielen.
Alle ihre Freunde trafen sich spätestens jetzt am Rheinufer, hatten alles dabei, um sich einen schönen, verrückten Nachmittag zu machen.
Und was machte sie stattdessen?
Sie trottete lustlos mit ihrem allerliebsten Brüderchen zum Spielplatz.
Als ob ein Sechsjähriger sich noch ernsthaft für einen Spielplatz begeistern könnte.
Aber Jonas machte das vermutlich sowieso nur um sie zu ärgern, weil er wahrscheinlich genau wusste, wie ärgerlich es für Jenny war, zwischen all den jungen Müttern und den verhärmt grauen Großmüttern auf der Bank zu sitzen und ihren Bruder ohne jegliche Begeisterung dafür zu loben, dass er sich traute allein auf dem Bauch die alte, abgeschabte Rutsche rücklings herunter zu rutschen.
Der Kleine war eine echte Nervensäge und eine Spaßbremse.
Mit seiner Mutter wollte er nie auf den Spielplatz, das hob er sich für Jenny auf, weil er ganz genau wusste, dass sie sich darüber maßlos ärgerte.
Jonas ließ seiner großen Schwester keine ruhige Minute, wann immer sich nur die geringste Möglichkeit bot. Ständig war ihm angeblich langweilig, kam er ohne Vorankündigung in ihr kleines Zimmer, störte sie beim Musikhören, bei den Hausaufgaben oder beim Chillen. Er quengelte dann, solange bis Jenny schließlich mit ihm spielen musste.
Und das dann möglichst den ganzen Tag lang, als gäbe es rein gar nichts, womit er sich auch mal allein beschäftigen könnte.
War Helga, ihre Mutter, Zuhause, fand er zu Jennys Ärger sehr schnell etwas, was interessant genug war, um ihn stundenlang allein zu fesseln.
War sie aber arbeiten, so änderte sich das sofort, fand sich da nichts Adäquates. Bei der Rückkehr ihrer Mutter führte sein erster Weg zu ihr, wo er sich ausgiebig und quengelnd darüber beklagte, dass Jenny keinen Augenblick mit ihm gespielt hätte. Prompt folgten dann Vorwürfe, egal wie müde Jennys Mutter von der Arbeit kam, denn ein Traumjob war das sicherlich nicht und irgendwo musste auch sie mit ihrem Frust über die anstrengende Arbeit hin. Sie war hartnäckig der Meinung, dass sie nur durch Zusam- menhalt den Verlust der väterlichen Einnahmequelle ausgleichen und überstehen könnten. Jenny wäre schließlich kein kleines Kind mehr, alt und erwachsen genug, um in der persönlichen Freiheit etwas zurückzustecken und sich auch mal um den kleinen Bruder kümmern.
Wieso eigentlich?
Jenny hatte nie einen Bruder gewollt, sich in der Rolle des Einzelkindes sehr wohl gefühlt. Ihr Vater wahrscheinlich auch nicht, denn irgendeinen Grund musste es ja geben, dass er einfach still und heim- lich seine Sachen gepackt und regelrecht untergetaucht war.
Aber sie fragte ja keiner, nicht nach ihren Wünschen für ihre Freizeit und ihr Leben.

..............

"Hey Jenny, kommst du mit auf die Wippe?" rief Jonas und rannte auch schon begeistert los, ehe sie antworten konnte. Es war ihr egal, denn sie hatte ohnehin keine Lust, das musste wirklich nicht sein.
Doch Jonas gab keine Ruhe und rief noch einmal nach ihr. Jenny wusste nur zu gut, dass er sich Zuhause bei ihrer Mutter beschweren würde, weil sie sich nicht genug um ihn gekümmert hatte.
Konnte sich nicht der Boden unter seinen Füßen öffnen und ihn ein für alle Mal verschlingen, damit sie endlich wieder ihr eigenes Leben genießen konnte und sie ihn endgültig los war?
Jenny knurrte, spürte ein harten Kloß im Hals und eine Menge Wut im Bauch, sogar ihre feuchten Au- gen, weil sie am liebsten laut losgeheult hätte, weil das Leben so ungerecht zu ihr war. Am liebsten hätte sie Jonas bei den Haaren gepackt und seinen Kopf so lange auf diese verdammte Wippe geschlagen, bis er endgültig still war.
Doch sie tat nichts dergleichen.

 

 

 

 

Das ist eine der düstersten, bedrohlichsten und blutig brutalsten Erzählungen, die ich je geschrieben habe. Sie wurde veröffentlicht und brachte mir prompt Morddrohungen ein. Es kann mich aber nicht davon abhalten solche Geschichten zu schreiben, denn als Autor empfinde ich auch eine Verpflichtung dazu Menschen mit unerwünschten Wahrheiten zu konfrontieren. Diese Geschichte ist wirklich haar- sträubend.

Ich verstehe auch, dass das jetzt zu viel an Text ist, - das Internet ist ein schnelles Medium, auf kurzfristige Informationen ausgelegt. Hier alles zu lesen ist kaum möglich.

Sie wollen trotzdem weiterlesen? Bitte sehr, kein Problem. diese und weitere furchtbare, erbarmungslos geschriebene, aber auch skurril komische, sarkastische und satirische, dunkle und böse Geschichten, dicht am realen Leben geschrieben oder auch mal saukomisch, zum Lachen, das Ihnen im Halse stecken bleibt, bedrohlich und Mut machend, augenzwinkernd und respektlos finden Sie in diesem e-book                                                   e-book Unerwünschte Wahrheiten

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siehe auch Presseberichte über mörderisch blutige Angriffe von Kampfhunden auf Frauen und Kinder

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