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Meine Miniaturen und Kindergeschichten - 1 |
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FridolinNein, nein, nein, ich will nicht mehr verstauben. Immer diese Kittel um mich herum, Schuhe, alte Taschen, Dreck. Womit habe ich das denn verdient? Ein so prachtvolles Ausstellungsstück gibt es nicht noch einmal. Mit meiner elfenbeinfarbenen Haut, den blanken Beschlägen, den prachtvollen Holzleisten. Jedem würde es zur Ehre gereichen, mich besitzen zu dürfen. Nun verrotte ich in einer alten Kammer. Niemand bemerkt mich mehr, ich bin vergessen. Was habe ich nicht alles gesehen, die Leute haben mich bestaunt, sind stehen geblieben vor dem Fenster der Auslage. Sie haben mich bewundert, da ich die Sonne anpries mit den Produkten in meinem offenen Innern, geschaffen zum Verreisen. Der alte Mann, mit seinem kleinen Wägelchen kam jeden Mittwoch. Er konnte nicht mehr so gut laufen, schwärmte von Australien, wo er früher mal gewesen war. Dieses unendliche Land, diese Weite. Seine Lieblingstiere waren die Kängurus. Von einer geheimnisvollen bunten Schlange hatte er erzählt. Die Regenbogenschlange der Nanga, der Ureinwohner, die sie sehr verehrten. Er war Forscher, hatte die Geschichten und Mythen studiert. Mich hätte er gerne dabeigehabt, erzählte er, weil ich die richtige Größe gehabt hätte. Zum ersten Mal packte mich das Fernweh. Irgendwann kam er nicht mehr, meine Besitzerin erzählte, dass er gestorben sei. Mir kam in den Sinn: Was ist, wenn ich hier verrotte und nichts gesehen habe von der Welt? Ein Leben ohne Inhalt. Nur schön hingestellt, mit allerlei Krimskrams, sonst zu nichts nütze. Oder wie neulich, als wieder eines dieser schrecklichen Kinder kam. Ich stand nicht mehr im Fenster, sondern in der Nähe der Tür. Jeder konnte mich dort anfassen. Wie grässlich war es doch, dauernd mit klebrigen Fingern begrapscht zu werden. Oder die Schlösser verklebt zu bekommen mit Kaugummi. Mittlerweile war ich nicht mehr so strahlend, wie am Anfang meines Daseins. Ja, neulich, da ist dann wirklich etwas Ungeheuerliches passiert. Da kam der Hund vom Nachbarn und hob doch tatsächlich sein Hinterbein. Mir wurde heiß und kalt. Ich dachte nur: „ Er wagt es doch nicht ... Ängstlich schaute ich ihn an. Doch, er tat es. Da schrie meine Besitzerin laut auf und verscheuchte den Dackel. Was war ich erleichtert. Sie hob mich hoch und verstaute mich in der Kammer. Hier war es meist dunkel und einsam. Nur wenn das Personal kam oder ging hatte ich ein wenig Gesellschaft. Werde ich so enden: „ Ein alter Koffer, der irgendwann auf dem Müll landet? Oder mit Wasser bespritzt, wenn sie sich die Angestellten die Hände waschen. Allein, nicht mehr angesehen. „Ja, sie dürfen ihn mitnehmen.“ „Wirklich, so ein prachtvolles Exemplar?“ „Aber ja doch, sie sind immer so nett, ich schenke ihnen den Koffer.“ Was passiert jetzt mit mir? Die Frau nimmt mich mit, trägt mich fort. Oh, die Straße, Laternen, welch ein Glanz. Bin ich wirklich unterwegs? Wo wird mein Weg mich hinführen? Wird es eine Reise in eine neue Welt, mit vielen Abenteuern? Erst muss ich mich mal ausruhen von der ganzen Aufregung. Nun bin ich zu müde. Morgen wird es weitergehen.
© by Alayna |
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