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Sir Henry
Langsam schwebte er hernieder, majestätisch wunderbar. Er reckte seinen Hals, beobachtete die Gegend. Kein Rivale in Sicht. Das wäre ihm wohl auch nicht gut bekommen, da Sir Henry ein außergewöhnlicher Vogel war. Mit seinem Gefieder in schwarz, weiß, dem roten Schnabel war er sehr stattlich.
Kurze Zeit darauf landete seine Angetraute, Adelheit. Ein Stückchen weiter entfernt, sie war schließlich eine Dame, wollte umworben werden. Als erstes wurde der alte Horst inspiziert. Bis auf ein paar fehlende Äste schien er vollkommen intakt zu sein.
„Hier ist kein Platz für dich,“ rief Sir Henry einem vermeintlichen Gegner entgegen, begleitet mit einem lauten Geklapper und Flügelschlagen. „Fort, fort mit dir, was willst du?“
„Henry wer war das? Etwa Oskar, der Krummschnabel?“
„Nein, nein, ein unwichtiger Patron, ich lasse niemanden an dich heran.“
Nach dieser kurzen Episode, wandte Sir Henry sich ganz dem Ausbessern des Horstes zu. Adelheit schaute gelangweilt durch die Wiesen. Es hatte sich nicht viel verändert seit dem letzten Jahr.
Den Winter über waren sie in Afrika gewesen, einem heißen, unwirklichen Land. Hier im hohen Norden, fast an der Küste, gefiel es ihr bedeutend besser. Unter anderem die vielen Verehrer, die um sie herumschwirrten. Sie genoss es in vollen Zügen, dennoch wusste sie genau, wo sie hingehörte. Man blieb sich schließlich treu als Storch, ein Leben lang.
So ein kleiner Flirt ab und an, war nicht zu verachten. Sir Henry war dann immer so herrlich aufgebracht, vertrieb seine Rivalen mit einer Kraft, zum dahinschmelzen. Jetzt ignorierte sie ihn erstmal. Er sollte schließlich um sie werben. Die Liebe musste neu entflammt sein, bevor man seinen Körper teilte.
Da kam er schon, umkreiste sie mit kräftigen Flügelschlägen, landete direkt neben ihr. „Traum meiner schlaflosen Nächte, erhöre mich, Wonne meines Herzens.“
Hat er jetzt einen Groschenroman gelesen, dachte sie. Na, das hört sich ja merkwürdig an. Sir Henry zupfte an seinem Gefieder, wurde ganz nervös. Er sah keine Wirkung auf sein Gesäusel.
Was hat sie denn nur, habe extra meinen alten Freund Archibald gefragt, was er seiner Edda so flüstert? Oh ja, Adelheit ist halt nicht Edda, wie konnte ich das vergessen. Sie stand nicht auf solch hohlen Sprüche. Meine Liebste mag die direkte Ansprache, die soll sie haben. „Adelheit, mein schönes Weib, lass dich in meinen Horst tragen, uns vereinen unter der Sonne Schleswig Holsteins.“
Mensch war ich gut dachte Henry. „Ach Henry, ich dachte schon du hättest dir was von Archibald abgeschaut.“ Jetzt war Henry ganz verwirrt, wollte sie jetzt doch dieses blöde Gerede? „Was ist los mein großer starker Vogel, wirf den Turbo an, lass uns verschwinden.“
Da fiel ihm ein Stein vom Herzen. Ja, das war seine Adelheit, kein schnick, kein schnack, ruck zuck, fertig war der Frosch.
Glücklich vereint flogen sie zu ihrem Nest. Den Körper zu teilen war das Schönste an der Liebe. Adelheit war sehr glücklich, Sir Henry sehr stolz. Ja, so war das Leben schön.
Nach einer gewissen Zeit legte Adelheit vier Eier ins Nest. Nun hieß es brüten, damit die Kleinen es gut hatten. Ein stetiges Kommen und Gehen begann. Einer brütete, der andere holte Futter, es war schon sehr anstrengend.
Tock, tock, tock. „Adelheit, hast du das gehört?“ „Nun hör doch mal, Adelheit, hörst du denn nichts?“ „Henry, natürlich ich sitze doch drauf.“ „Männer, ungeduldig wie sonst was, tztz.“
Das erste Junge schlüpfte aus dem Ei. „Meine Tochter, hast du gesehen, ist sie nicht wunderschön. Adelheit, nun schau doch mal.“ Sie war mit den anderen Eiern beschäftigt und schmunzelte über ihren Mann.
Im Laufe des Tages schlüpften noch weitere Mädchen aus ihrem Ei. Sir Henry war ganz außer sich vor lauter Freude, hüpfte hin und her. Im letzten Jahr waren es alles Söhne, richtige Rabauken. Dieses mal hoffte er, dass es mit den Mädchen leichter wurde.
Das wurde es natürlich nicht, die vier Grazien hielten ihren Herrn Papa ganz schön auf Trab. Wehe, es kamen ihnen Jungstörche in die Nähe, er verscheuchte Alles und Jeden.
Als sie dann flügge wurden, war Sir Henry wehmütig, seine Viererbande würde zwar mit nach Afrika ziehen, aber nun waren sie groß. Er klagte seiner Adelheit seine Gefühle, sie antwortete nur: „Ach, Henry, lass es mal gut sein, sie sind prächtig herangewachsen, es hat uns viel Mühe und Arbeit gekostet.
Weißt du was, jetzt sind wir erst mal urlaubsreif.“
© by Alayna
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