“Die Mallorea Saga” – von David Eddings
Ich werde manchmal gefragt, woher ich mein Pseudonym und meinen Nicknamen „Belgarath“ genommen habe, und von jenen, die seine Herkunft kennen, ob ich mich damit auf die berühmte und millionenfach gelesene Mallorea-Saga des amerikanischen Autors David Eddings beziehe.
Ja, das ist so, daher stammt mein Pseudonym und Nickname.
In den 70er Jahren war es sozusagen eine fast schon bindende Verpflichtung das Werk von J.R.R. Tolkien „Der Herr der Ringe“ gelesen zu haben, denn sonst gehörte man nicht wirklich zur linksalternativen Szene. Also entschloss ich mich schließlich erst mal einen ersten Blick in dieses Werk zu werfen und kaufte mir das Buch „Der kleine Hobbit“, sozusagen das Vorwort oder –buch zur gesamten Mittelerde-Trilogie.
Schon damals befasste ich mich seit mehreren Jahren mit dem literarischen Schreiben, suchte Inspirationen neben meinem Beruf als Fotograf. Von der ersten Seite an war ich fasziniert von der Erzählkunst Tolkiens, seinem nahezu epischen Erzählstil, der manchmal auch sehr langatmig für den Leser/-in erscheinen mag. Er liebt es, sich in Details nahezu zu verlieren, sie genau beschreibend zu erzählen. So etwas kannte ich bis dahin nur von James Joyce und seinem Buch „Ullyses“, wenn auch mit wesentlich anderem, ernsterem Thema. So war es keine Frage für mich, dass ich nun auch die Trilogie „Herr der Ringe“ haben und lesen wollte, mit allen drei Bänden. Ich besitze heute noch eine der Erstausgaben und würde sie nie hergeben. Zusätzlich kaufte ich mir das „Silmarillion“,
die Vorgeschichte von Mittelerde zur Zeit von Zwergenkönig Thorin Eichenschild und all den in der Saga erwähnten Mythengestalten, ein nahezu vergessenes Buch dieser Geschichten von Mittelerde. Ich kaufte mir auch alles andere an Büchern von J.R.R. Tolkien, wie z.B. „Die Geschichten vom Weihnachtsmann“ – absolut lesenswerte Kinder- geschichten auch für Erwachsene. Mit großen Augen sah ich dann vor zwei Jahren den Film „Herr der Ringe“ und war und bin begeistert von der Umsetzung dieser Geschichte, auch wenn sie sich in weiten Strecken nicht an die Buchvorlage hält.
Aber inzwischen hatte ich auf Empfehlung von Freunden von einem weiteren lesenswerten Fantasy-Autor und seiner Saga gehört. Damals begann meine Begeisterung für Fantasygeschichten und ich probierte die versch. Autoren/-innen aus, las die Bücher und war oft mehr unzufrieden, als wirklich angetan. Doch dann bekam ich die Empfehlung für David Eddings „Mallorea Saga“ und kaufte mir den ersten Band „Die Prophezeiung des Bauern“.
Damit betrat ich eine Welt, die ich vorher nicht einmal erahnt hatte.
Ich mag Fantasygeschichten, besonders wenn sie gut und intelligent erzählt sind und nicht nur eine Aneinanderreihung von Schlachten und Kämpfen zwischen Gut und Böse. Aber so etwas wie die „Mallorea Saga“ hatte ich mir bis dahin nicht einmal vorstellen können. Das war nicht der fast epische Erzählstil eines J.R.R. Tolkien, sondern der lebendige Epos eines wirklich exzellenten Autors mit Witz, Selbstironie und Helden mit ganz menschlichen, alltäglichen Charakteren. Die Guten waren nicht nur gut, wie z.B. Silk, ein Gefährte auf der Reise dieser Mallorea Saga, ein Dieb, Betrüger und Schlitzohr, und selbst Belgarath, der alte Grauwolfzauberer, war im Grunde ein Streuner und Herumtreiber, oft ein Tunichtgut, der sich in Spelunken und an düsteren Orten herumtreibt, keinem kleinen eroti- schen Abenteuer abgeneigt. Polgara, seine Tochter weiß darum, macht dem Alten oft Vorwürfe und beklagt seine schlechten Manieren. Sie selbst ist eine sehr elegante Dame, die gerne kocht, aber auch sehr königlich aufzutreten weiß, es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt, genau wie ihr Vater. Es gibt viele solcher Protagonisten in dieser Saga, alle sehr menschlich erzählt, mit geradezu amüsanten Alltagsproblemen, wir sie alle kennen.
Selbst die Mächtigen und Könige/-innen sind in dieser Saga nicht nur die Erhabenen, die ihre kleinen und nützlichen Helfer haben, wie eben Sam Gamdschie im Herrn der Ringe, der von Frodo immer mit Sam angesprochen wird, aber umgekehrt immer von Herrn Frodo spricht. Edding gibt seinen Mächtigen und Herrschern sehr menschliche Züge, lässt sie unvollkommen und sogar sehr zickig erscheinen, als Trunken- und Raufbolde, ohne heldenhafte Aura und Pathos, mit ganz menschlichem Mitgefühl für die, die in ihrem Namen zu Felde ziehen und mit Ehefrauen, die sich emanzipatorisch in der Zeit der Abwesenheit ihrer Ehemänner mutig auf den Thron setzen und Verantwortung überneh- men, unter dem Tod ihrer streibaren Krieger leiden.
Dazu kommen diese kleinen amüsanten Zwischengeschichten. Wo werden in einer Fantasygeschichte schon die Probleme von fehlenden Toiletten und Badezimmern auf dem Weg durch die Wildnis abgehandelt?
In der Mallorea-Saga...
Vor allem aber ist es eine sehr intelligent erzählte Geschichte, mit zahllosen Facetten und Verschlin- gungen, mit Witz und Augenzwinkern, mit Abenteuern und scheinbar vertrauten Intentionen aus allen möglichen Mythen und Geschichten, nur eben sehr lebensnah erzählt, keine Sekunde langweilig, trotz der 10. Bände.
Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Jungen, der bei Polgara aufgewachsen ist, sie Anfangs für seine Mutter hält, dann für seine Tante und dann erfährt, dass sie nicht einmal mit ihm verwandt ist. Sie hat das Geheimnis um ihn aber so lange bewahrt, wie es nur möglich war, ehe sich die Prophezeiung in Bewegung setzt und den kleinen Garion aus seinem vertrauten Kinderleben reißt. Von da an sind sie nur noch unterwegs, lernen neue Freunde und Feinde kennen und Garion begreift, dass es irgendein Geheimnis um ihn gibt, ohne dass dieses dem Leser/-in leichtfertig enthüllt wird. Von Band zu Band muss er sich dem annähern und weiß doch bis zur ersten Lösung nicht, wie tief das Geheimnis in Garions Leben eingreift.
Dazwischen lernt er eine junge, rothaarige Prinzessin kennen, eine launische Exzentrikerin und Nervensäge, seine spätere Ehefrau, die ihn aber auf der Reise piesackt mit ihrer Egozentrik und ihrem ganz menschlich vertrauten Gehabe eines verwöhnten Teenagers, wie wir ihn auch im realen Leben täglich kennenlernen können. Der Leser/-in erlebt die ersten Annäherungen zweier junger Menschen, die erotische Verwirrung, als Garion sie unterwegs versehentlich beim Baden in einem See erlebt, aber auch ihre kokette Anbandelei, um zu bekommen, was sie anstrebt.
Ich will hier nicht zu viel erzählen, aber ich kann versichern, dass ich so etwas vorher noch nie gelesen hatte. Das war keine von diesen Standard-Fantasy-Geschichten mit Superhelden und gigantischen Schlachten zwischen Gut und Böse, obwohl die hier auch vorkommen.
Was mir aber ganz besonders gefiel war die Botschaft dicht unterhalb der erzählten Geschichte, die dem Leser/-in ganz klammheimlich mit untergejubelt wird, die sich auch in der schon erwähnten Prinzessin widerspiegelt.
Die Botschaft lautet: Versuch nicht etwas anderes zu sein, als du bist, denn du bist, was du bist. Sei einfach du selbst und vertrau dir und deinen Fähigkeiten.
Am Ende der ersten Hälfte der Saga hat der junge Garion das gelernt und begreift, dass er der größte aller Zauberer ist, bisher den Mächten der Finsternis gut verborgen. Er will zwar nie ein Zauberer sein, muss sich aber den Realitäten unweigerlich stellen, weil er ihnen nicht entfliehen kann.
Meine Empfehlung lautet: Absolut lesenswert – beschränkt euch nicht wie ich zunächst auf den 1.Band, kauft euch die gesamte Saga und genießt es in diese Welt durch den Erzählstil des genialen Autors David Eddings einzutauchen.
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