
Das religiös verbrämte Pseudo-Recht alter Männer auf Sex mit Kindern und jungen Frauen
Die Zwangsehe
Formal liegt eine Zwangsheirat vor, wenn einer der Partner mit der Verheiratung nicht einver- standen ist und seine Zustimmung nicht gegeben hat bzw. sich genötigt fühlt.
Die Abgrenzung der Zwangsheirat zur arrangierten Ehe ist fließend, weil es letztlich der subjek- tiven Einschätzung der Beteiligten unterliegt, was als Zwang empfunden wird. Eine Heirat ist eine sehr wichtige Lebensentscheidung, die bei Braut und Bräutigam zu Nervosität und Stress führen kann. Von außen herangetragene Erwartungen und sozialer Druck können die Stress- situation so verstärken, dass oft nicht von außen objektiv festgestellt werden kann, ob Zwang oder Nötigung vorliegen.
Eindeutig ist eine Zwangsheirat nur bei Androhung oder Anwendung von Gewalt, bzw. wenn ein Wali mudschbir („nötigender Heiratsvormund“) die Ehe auch gegen den ausdrücklichen Protest der Braut schließen lässt. Wenn Frauen (oder auch Männer) sich weigern, die für sie bestimmte Heirat einzugehen, sind sie Repressionen durch Mitglieder der eigenen Familie ausgesetzt, die von Beschimpfungen und Drohungen über Prügel bis zu Ehrenmorden reichen.
Bei der Definition und Bewertung des Phänomens Zwangsheirat zeigen sich drei verschiedene Grundpositionen, die in der Ethnologie und anderen Sozialwissenschaften bekannt sind: eine kulturrelativistische Sichtweise, die sich bemüht, fremde Kulturen aus ihrem eigenen Kontext heraus zu verstehen und eine universelle Ethik ablehnt. Den Vertretern einer univer- sellen Ethik wird Ethnozentrismus vorgeworfen, d. h. die eigene, kulturell und historisch gebun- dene Sichtweise zum allgemeingültigen Maßstab zu erheben;
eine konservative, an der eigenen Kultur orientierte Position
eine vermittelnde Position, die den beiden vorgenannten Perspektiven Einseitigkeit vorwirft: den Kulturrelativisten eine von Schuldgefühlen motivierte überzogene Identifikation mit den Kulturen, die sie nur als Opfer der „westlichen“ Industrieländer ansehe, den Konservativen eine autoritäre Position, die rücksichtslos über die Interessen anderer Gesellschaften hinweggehe. Gegenüber beiden wird die Notwendigkeit betont, in allen Kulturen auf eine weitere Zivilisie- rung, Pazifizierung und Demokratisierung zu dringen.
Durch einige spektakuläre Fälle im Milieu türkischer Migranten, die durch das Buch Die fremde Braut von Necla Kelek ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen wurden, wird über die Einführung eines besonderen Straftatbestands für Zwangsheirat diskutiert.
Zwangsverheiratungen sind bis heute in islamischen und hinduistischen Gesellschaften verbreitet, aber auch aus jesidischen, buddhistischen und christlichen Umfeldern sind Fälle bekannt. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF betont, dass eine Menschen- rechtsverletzung wie die Zwangsehe nur in einem patriarchalischen Umfeld möglich sei, in denen Mädchen und Frauen benachteiligt und diskriminiert werden. Die Religion übernimmt in diesen Gesellschaften oft die Funktion, eine bestehende Tradition zu rechtfertigen; es gibt aber auch entgegengesetzte Tendenzen.
Im klassischen islamischen Recht (Fiqh) ist es einem Vater oder Großvater nach allen Rechts- schulen erlaubt, die Frau auch gegen ihren ausgesprochenen Willen in die erste Ehe mit einem beliebigen heiratsfähigen Muslim zu zwingen. Das arabische Fachwort dafür ist wali mudschbir ("Heiratsvormund mit der Berechtigung zum Zwang").
In den meisten islamischen Staaten gibt es heute Gesetze, die die Scharia-Regelungen modifi- zieren oder ersetzen. In einigen Staaten, wie etwa Saudi-Arabien, gilt allein das klassische islamische Recht, in anderen wie der Türkei allein aus Europa importiertes Recht. Es bleibt jedoch ein Spannungsverhältnis zwischen religiösem und staatlich verordnetem Recht.
Seit den späten 1970er Jahren besteht in der gesamten islamischen Welt eine Tendenz zur Rückkehr zu Scharia-konformen gesetzlichen Regelungen.
Zur Verbreitung von Zwangsehen unter Migranten in Deutschland gibt es keine belastbaren Zahlen. Eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 sah aufgrund einer Befragung von 150 türkischen Migrantinnen Hinweise darauf, dass ca. zehn Prozent dieser Personen in unfreiwillig eingegangenen Ehen leben, lehn- te jedoch eine Verallgemeinerung auf die gesamte Personengruppe wegen der sehr kleinen Stichprobe ab. Aus qualitativen Untersuchungen (etwa von Ahmet Toprak mit 15 türkischstäm- migen Männern) sind gelegentlich höhere Schätzungen abgeleitet worden. Freilich eignen sich Untersuchungen mit den Methoden der qualitati- ven Sozialforschung zur vertieften Exploration von Einstellungen und Lebensweisen, nicht aber zur Schätzung der quantitativen Verbreitung.
In Ralph Ghadbans Studie Die Libanon-Flüchtlinge in Berlin über muslimische Libanesen sind alle untersuchten Ehen ausnahmslos arrangierte Ehen. Der Anteil der gegen den ausgespro- chenen Willen der Frau geschlossenen Ehen konnte er nicht ermitteln, doch geht er von einem nicht unerheblichen Teil aus. Bei den arrangierten Hochzeiten ebenso wie bei den Zwangsehen kannten sich die zukünftigen Ehepartner vorher nicht oder haben sich höchsten wenige Male unter Aufsicht der Familie getroffen.
Alle drei Studien geben als Hauptgrund für diese Form der Heirat die Angst der Familien vor „Ehrverlust“ an. Nur wenn die Frauen so früh wie möglich und ohne vorher Kontakt zu poten- ziellen Heiratskandidaten gehabt zu haben in die Ehe gingen, sei die Gefahr, dass sie vor der Ehe sexuelle Kontakte hatten, fast gebannt und damit die Ehre der Familie gesichert. Ähnlich äußert sich Werner Schiffauer in seinen frühen Arbeiten zu türkischen Migranten.
Islamische Vorschriften über die Verheiratung ohne die Zustimmung der Braut und über die Keuschheit der Frau allgemein spielen bei der Rechtfertigung der Zwangsheirat eine wichtige Rolle. Bei einer häufig auftretenden Form der Zwangsverheiratung unter muslimischen Migranten werden junge Frauen, die oft minderjährig sind, in den Ferien in ihr Heimatland geschickt und dort gegen ihren Willen verheiratet. Es ist auch nicht bekannt, wieviele Frauen von den 25.000 türkischen Frauen, die seit dem Jahre 2000 pro Jahr nach Deutschland kommen, um dort einen türkischen Mann zu heiraten, Opfer von Zwangsverheiratung sind.Ein bekannter Fall ist Esma Abdelhamid.
Die Gründe hierfür sind vielschichtig.
Um der im Ursprungsland lebenden Verwandtschaft die Teilnahme an der Hochzeit zu ermögli- chen.
Die Hochzeit im Heimatland ist preiswerter.
Die Heiratsvorschriften im Heimatland sind unbürokratischer.
Braut/Bräutigam wohnen im Heimatland und erhalten kein Visum oder nur unter Auflagen.
Eine Zwangsheirat ist nur im Heimatland möglich.
Eine Vertreterin von Terre des Femmes geht davon aus, dass in Deutschland jährlich mehr als 1000 Mädchen zwangsverheiratet und zu diesem Zweck ins Ausland - überwiegend die Türkei, aber auch Libanon, Syrien, Kosovo, Iran und Irak - verschleppt werden.
Mögliche Motive der beteiligten Akteure sind:
materielle Interessen, da häufig Brautgeld gezahlt wird
in westlichen Ländern aufgewachsene Söhne und Töchter muslimischer Familien sollen durch die Heirat mit einem Partner aus dem Herkunftsland diszipliniert und stärker auf die Normen des Herkunfts-Kulturkreises verpflichtet werden
Angst der Familien vor dem Verlust der „Ehre“
Erlangung der Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland.
Feministische Positionen sehen Zwangsheirat als normalen Ausdruck patriarchaler Machtver- hältnisse und des männlichen Interesses an der Kontrolle der Gebärfähigkeit der Frau. Soziobiologische Positionen sehen, ähnlich wie feministische Positionen, aber über sie hinaus- gehend, die Ursache von Zwangsheirat in der Konkurrenz zwischen männlichen und weibli- chen Individuen, die in jeder Spezies bestehe. Dabei werde um die Chancen zur Fortpflanzung der eigenen Gene konkurriert. Je nach Spezies ist die Machtbalance zwischen den Geschlech- tern unterschiedlich: Mal haben die Weibchen, mal die Männchen die stärkere Position. Bei Menschen ist jedoch die Sozialstruktur, und damit die Machtbalance zwischen den Geschlechtern, nicht genetisch fixiert; aufgrund unserer besonderen biologischen Ausstattung findet ein ständiger sozialer Wandel (Soziokulturelle Evolution) statt. Diese kann je nach Gesellschaft unterschiedlich verlaufen. Im Verlauf dieses Wandels kommt es zu Konflikten zwischen Kulturen mit unter- schiedlicher Machtverteilung zwischen den Geschlechtern.
Der Europarat forderte im Oktober 2005 staatliches Vorgehen gegen Kinderehen und Zwangs- heirat. Das Problem bestehe nach Auffassung der konservativen Berichterstatterin für den Europarat Rosmarie Zapfl-Helbling aus der Schweiz in erster Linie in Einwanderergemein- schaften. Auch in Deutschland und der Schweiz werden Frauen, um eine Zwangsheirat zu bewirken, eingesperrt und misshandelt. Obwohl seit langem von Frauenrechtlerinnen angeprangert, wurde das Problem unter Migranten in Deutschland erst Ende 2004 thematisiert, angestoßen durch Enthüllungen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Besonders häufig sind so genann- te Ferienverheiratungen, die während Urlaubsreisen in die Heimatländer erfolgen. Im Frühjahr 2008 initiierten die Berliner Volkshochschulen eine Aufklärungsaktion gegen Zwangsheirat («Ferienbräute - nicht mit uns»).
Staatliche wie zivilgesellschaftliche Organisationen unterhalten Beratungsangebote für von Zwangsheirat Betroffene. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Betroffene, so sie überhaupt der gemeinsamen Behausung entkommen konnte, sich trotz evtl. körperlicher Ein- schränkung infolge einer körperlichen Auseinandersetzung verständlich machen kann.
Politische Forderungen betreffen einen Ausbau der Opferhilfe genauso wie ein höheres Straf- maß und eine konsequentere Verfolgung. Andere Positionen lehnen eine Politisierung des Problems ab, sondern fordern geeignete Vermittler (Mediatoren), die in betroffenen Familien zwischen Eltern und Kinder vermitteln können. In Deutschland ist Zwangsverheiratung als Nötigung strafbar und kann so teilweise bekämpft werden.
Nach einer Bundesrats-Gesetzesinitiative des baden-württembergischen Justizministers und Integrationsbeauftragten Ulrich Goll (FDP) aus dem Jahr 2006 soll Zwangsverheiratung künftig mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren belegt werden. Außerdem sollen alle Formen der Zwangsheirat unter Strafe gestellt werden. Frankreich verschob 2005 die Altersgrenze für eine Heirat bei Frauen auf 18 Jahre, um Minder- jährige vor Zwangsehen zu schützen.
siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsheirat https://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10362&detailid=259079 http://derstandard.at/?url=/?id=3345700 http://www.migration-boell.de/web/integration/47_1253.asp
Sie hätte es wissen müssen, die junge Zeynap*. Immerhin war sie nicht die erste Verwandte, die vor einer drohenden Zwangsverheiratung mit einem ihr fremden Mann geflohen war. Zeynaps Familie war schon vor langer Zeit nach Deutschland eingewandert. Zwei ihrer Tanten hatten hier Jahre zuvor ebenfalls die Flucht ergriffen, sich versteckt gehalten und waren dann, als sie dachten, ihr Ungehorsam sei ihnen vergeben, heimgekehrt. Der Vater erschoss beide am Tag ihrer Rückkehr.
Dies alles wusste Zeynap. Sie machte sich keinerlei Illusionen, was ihr bei einer Rückkehr zur Familie drohen könnte. Geflüchtet war sie, nachdem sie gegen ihren Willen mit einem Mann verheiratet worden war, der auf dem Eheticket aus der Türkei nach Deutschland einreisen und eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen sollte. Auch ihr hatte ein Onkel gedroht, er werde sie umbringen, falls sie sich weiter gegen das Ehearrangement auflehne. Schweren Herzens hatte sie daraufhin ihre Familie verlassen, hatte Zuflucht gesucht in einem der wenigen in Deutschland unter verdeckten Adressen eingerichteten Schutzhäuser für musli- mische Mädchen. Jahrelang lebte sie dort unter falschem Namen, stets in der Angst, jemand aus ihrer Familie könne sie aufspüren.
Doch die Sehnsucht hatte sie irgendwann ihre Bedenken über Bord werfen lassen. So kehrte sie denn, zwei Jahre nach ihrer Flucht, zu ihrer Familie zurück. Sie wollte noch einmal auspro- bieren, ob man nicht doch miteinander klar kommen könne.
Margareta Böhler, die Leiterin der Kölner Zufluchtsstätte für muslimische Mädchen und Frauen, "Wasta" genannt, erinnert sich sehr gut an Zeynaps Enttäuschung, weil "die Eltern ihr so gar keine Wertschätzung entgegenbrachten". Sie wurde zwar nicht mit Mord bedroht. Aber schon nach drei Monaten präsentierte man ihr erneut einen Mann, den sie heiraten sollte. Um dies zu verhindern, floh Zeynap ein zweites Mal. Diesmal endgültig.
Für Margarete Böhler steht Zeynaps Schicksal stellvertretend für das vieler junger Mädchen, die an die Tür des Kölner Schutzhauses Wasta klopfen. Meist kommen sie von weit her, aus Berlin, Wolfsburg, Kiel, aus allen möglichen Ecken Nordrhein-Westfalens. Hauptsache, weit weg von der Familie. Damit der Vater, der die Tochter gegen ihren Wunsch verheiraten will, sich nicht an ihr rächen kann, der Bruder ihr nicht auflauert, der Onkel sie nicht findet. Denn sie sehen sich durch die Tochter, die vor dem floh, was Expertinnen eine "moderne Form der Sklaverei" nennen, entehrt - sie muss dafür sühnen, notfalls mit dem Tod.
Jetzt, wo die Sommerferien beginnen, zittert die Kölner Heilpädagogin Böhler wieder. Denn viele der türkischen, tunesischen, marokkanischen oder albanischen Familien fahren in die Heimat. Und nicht selten werden die jungen Mädchen, die oft in Deutschland groß geworden sind, dort in dem für sie fremden Land einem Cousin angetraut, einem Verwandten, einem aus dem Dorf. Ob sie dies wollen oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Genauso sollte es Fatima* ergehen, die vor einer Zwangsheirat ins Wasta geflohen war, sich dann aber darauf einließ, mit ihren Eltern noch einmal in Tunesien Urlaub zu machen. Aus den Ferien wurde für sie ein einjähriger Zwangsaufenthalt. "Wir hatten das schon befürchtet und ihr geraten, kopier' Deinen Pass, steck ihn in die Unter- hose. Sieh zu, dass Du alle Unterlagen in doppelter Ausführung hast, falls man Dir den Pass wegnimmt", erinnert sich Wasta-Leiterin Böhler. Die Ratschläge haben dem Mädchen nicht geholfen. Die Familie wollte sie eigentlich solange in Tunesien festhalten, bis sie zur Besinnung komme, wie es immer hieß. Danach wollte man einen Mann für sie suchen.
Für Böhler ist dies eines der typischen Schicksale, mit denen sie nach den Ferien wieder gehäuft konfrontiert sein wird. Jede zweite Anfrage auf Aufnahme wird mit Angst vor Zwangs- heirat begründet. Wobei dies meist nur eines der Probleme der Mädchen ist, die bei Wasta in Köln, Papatya in Berlin oder Rosa in Stuttgart anklopfen. Meist, so weiß Böhler, "kommen die Mädchen aus Multiproblemfamilien. In denen geht es um körperliche Gewalt, um Einschränkungen, Reglementierung, um Schulverbot und auch um die drohende Zwangsehe." Muslimischen Mädchen fällt es extrem schwer, ihre Familien zu verlas- sen. So behütet, wie sie aufgewachsen sind, so eng, wie man miteinander Kontakt hielt. Dies unterscheidet sie sehr von deutschen Mädchen, sagt Wasta-Leiterin Böhler. Es macht es ihnen sehr viel schwerer als deutschen Gleichaltrigen, mit der Flucht klar zu kommen. Plötzlich ist man allein, muss wissen, was man will. Probleme, auf die Einrichtungen wie Wasta einge- stellt sind, mit speziell geschultem Personal und langjähriger Erfahrung.
Fikreta* konnte sich sicher fühlen, bei Wasta unter anonym gehaltener Anschrift an der richti- gen Adresse zu sein. Die 16-jährige KosovoAlbanerin sollte einen ihr völlig fremden Mann heira- ten. Wenn nicht, so drohten Brüder und der Rest der Familie, würde sie getötet. Sie wurde geschlagen, wochenlang eingesperrt. Fikreta entkam schließlich, doch die Familie ließ nicht locker. Beim Jugendamt, bei dem man ihre Fluchtadresse herausfinden wollte, demolierte ihr Vater das Büro der Sachbearbeiterin. "Das war alles ganz massiv", sagt Margareta Böhler. "Fikreta musste weit weg von zu Hause untergebracht werden. Sie ist dann zu uns gekommen und hat hier einige Jahre gelebt." Traurig zwar, dass sie allein in der fremden Stadt unterkommen musste. Aber erleichtert, dass sie nicht einem Fremden verkauft worden war. Und dass sie weiter zur Schule gehen, ihr Leben bestimmen konnte.
Papier ist eindeutig - und geduldig. "Die Ehe darf nur aufgrund der freien und vollen Willens- einigung der zukünftigen Ehegatten geschlossen werden." So schrieb es die Weltgemeinschaft 1948 in ihre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. 55 Jahre später ist der Anlass für diese Deklaration nicht aus der Welt geschafft. Wenn am heuti- gen Donnerstag auf Einladung der Bündnisgrünen Juristinnen, Sozialarbeiterinnen und Frau- enrechtlerinnen über das Problem Zwangsverheiratungen beraten, wird es deshalb auch nicht um rasche Lösungen gehen. Gesucht werden praktische Eingriffsmöglichkeiten und politische Handlungskonzepte.
Die weitestgehende und wohl auch umstrittenste Forderung dazu kommt von der Frauen- rechtsorganisation Terre des femmes. Zwangsverheiratung, so fordert Kampagnenleiterin Rahel Volz, sollte in Deutschland ein Straftatbestand werden. Andere sehen den Ruf nach gesetzlichen Sanktionen äußerst skeptisch. Nur die wenigsten Mädchen würden sich trauen, ihre Eltern anzuzeigen, und wenn Gewalt im Spiel sei, reichten ohnedies die bestehenden Gesetze. Zumindest der gewerbsmäßig organisierte Heiratshandel könnte allerdings bei der anstehen- den Reform des Paragrafen gegen Menschenhandel unter Strafe gestellt werden.
Korrekturmöglichkeiten gäbe es auch im Ausländerrecht. Dort könnte ausdrücklich festge- schrieben werden, dass zwangsverheiratete Frauen, die ihren Männern entfliehen wollen, nicht erst nach zweijähriger Wartezeit ein eigenständiges Aufenthaltsrecht in Deutschland erhalten.
Akuter Handlungsbedarf besteht bei konkreten Hilfsangeboten. Bisher gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Modelleinrichtungen, die auf die Beratung junger Migrantinnen spezialisiert sind und ihnen Zuflucht bieten. Als wirksamstes Mittel gegen Zwangsverheiratung gilt aber die Prävention. Die Auseinander- setzung über Gewalt in der Ehe müsste viel stärker in die Communities der Einwanderer hinein- getragen werden, fordern Experten. Zugleich müssten Jugendämter, Schulen und Polizei für die Notlage der jungen Frauen sensibilisiert werden. Wie man den Blick schulen kann, zeigt Großbritannien. Dort hat die Regierung einen Aktionsplan gegen Zwangsverheiratung entworfen. Hierzulande bietet Terre des femmes Unterrichtsmaterial und Lehrerfortbildung an.
Bei der Bundesintegrationsbeauftragten warnt man jedoch, die Skandalisierung des Problems könnte zum Bumerang werden. So wurde in Dänemark eine öffentliche Debatte über Zwangs- ehen zum Schrittmacher für drastische Einschränkungen beim Familiennachzug. Seither dür- fen Ausländer ihre Ehepartner erst ab einem Mindestalter von 23 Jahren ins Land holen und müssen eine beträchtliche Summe dafür zahlen.
Lange hat Serap Cileli gebraucht, um zu begreifen, dass sie sich nicht schämen oder schuldig fühlen muss, weil sie vor ihrer Familie floh, um der Zwangsehe zu entgehen. In ihrem Buch "Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre" beschreibt Cileli ihre Befreiung von patriarchaler Unterjochung.
Achtjährig kommt die im türkischen Adana geborene Serap Cileli nach Deutschland. Die Auflö- sung ihrer ersten erzwungenen Verlobung mit zwölf erzwingt sie durch einen Selbsttötungs- versuch. Doch zwei Jahre später ist ein neues Arrangement getroffen. "Im Sommer 1982 wurde ich in Mersin verheiratet und von meinen Eltern zurückgelassen", schreibt Cileli in ihrem Buch. Am schmerzvollsten sei der Beischlaf gewesen, "jedes Mal eine Vergewaltigung an meiner Seele, an meinem Körper". In einem rezitierten Gespräch mit ihren Eltern schimpft Cileli: "Verfluchte sieben Jahre habt Ihr mich zu seiner Ehefrau gemacht, nach Eurem Willen, zwei Kinder geboren, unschuldige Kinder."
Die Eltern willigen zwar nach zähem Ringen in die Scheidung ein, doch eine frei gewählte Beziehung gestatten sie ihr nicht, nehmen die Kinder zum Pfand, um die Tochter nach Deutsch- land und von ihrem geliebten Ali wegzuzwingen. Cilelis Weigerung, sich auf eine zweite Zwangsheirat einzulassen, quittiert der Vater mit: "Wenn Du meine Familienehre verletzt, werde ich Dich umbringen." Da flieht sie ins Frauenhaus. Ali hält zu ihr, der Kontakt zur Familie ist bis heute abgerissen. Trotz freiwilliger Heirat, drittem Kind und eigener Wohnung plagen weiter dunkle Schatten Cileli. Weshalb sie 1994 anfängt, ihre Geschichte aufzuschreiben, um die Schuldgefühle zu bannen, die Gewissensnöte, aber auch Wut und Hass. Als sie ihre Aufzeichnungen 1996 abgeschlossen hat, klappert sie Verlage ab, weil sie andere Frauen mit ihrer Geschichte ermutigen will, sich zu wehren. Keiner will das Buch drucken, bis das ZDF 1999 eine Dokumentation ihres Lebens bringt. Inzwischen liegt es in zweiter Auflage bei Neuthor vor.
Mit dem Buch in der Hand führt Cileli ihre Kampagne gegen Zwangsverheiratung. Nach ihren Lesungen suchen betroffene Mädchen den Kontakt, manchmal auch Jungs, die zu einer Heirat gezwungen werden sollen oder deren deutsche Freundinnen. Cileli versucht zu helfen. Mehr als 50 Lesungen hat die heute 37-Jährige gehalten, die meisten an Schulen. Türkisch- stämmige Jungen werfen ihr oft vor, sie, die inzwischen einen deutschen Pass hat, stelle Men- schen gleicher Herkunft bloß. Drohungen kennt sie, wie: "Das werden Sie noch büßen." Zu den Lesungen nimmt Cileli Mann oder Sohn zum Schutz mit, geht kaum allein einkaufen. Ali wird von Landsleuten angepöbelt, er solle sich rechtfertigen für die Arbeit seiner Frau. "Das ist nicht einfach, aber ich lasse mich nicht in die Enge treiben", sagt die beherzte Frau. Ihr zweites Buch widmet sie Frauen, die "im Namen der Ehre" ermordet worden sind.
Depressionen, psychosomatische Störungen, Selbstmordversuche - der Kreuzberger Sexual- therapeut Halis Cicek könnte eine ganze Liste von Krankheitsbildern aufstellen. Meist dauert es ein bis zwei Jahre, bis sich junge Frauen und Mädchen trauen, in seiner Sprechstunde Hilfe zu suchen. "Zwangsverheiratungen", so hadert Cicek mit seinen türkischen Landsleuten, "sind ein Tabu- thema." Doch auch die deutsche Öffentlichkeit verdrängt, dass es das, was die UN als "zeitgenössische Form von Sklaverei" brandmarkt, in der eigenen Nachbarschaft gibt.
Das Problem betrifft ganz überwiegend Frauen. Wie groß es in Deutschland ist, lässt sich nicht beziffern. Bisher gibt es keine Studien dazu. In den Medien kursieren alarmierende Schätz- zahlen von jährlich 30 000 Fällen. Zahlen, hinter denen Expertinnen ein dickes Fragezeichen setzen, weil sie zu hoch gegriffen scheinen.
Die einzigen konkreten Daten liefert eine Erhebung des Berliner Senats bei über 50 Jugend- und Beratungseinrichtungen. Demnach sind in Berlin im vorigen Jahr 230 Fälle aktenkundig geworden, in denen Frauen von Zwangsverheiratung bedroht oder betroffen waren. Die wirkliche Dimension, so räumt der Senat ein, dürfte angesichts der "relevanten Dunkelziffer" weit größer sein. Zugleich ist schwer zu bestimmen, was eine Zwangsheirat ist, denn oft sind die Grenzen zwischen arrangierten und erzwungenen Ehen fließend. Viele Mädchen aus türkischen oder arabischen Familien akzeptieren durchaus, dass die Eltern ihren Ehemann auswählen, der dann oft im Verwandtenkreis gesucht wird. Doch auch ein zunächst einverständliches Verlöb- nis kann in einer Zwangsheirat enden, wenn die Familien nicht akzeptieren, dass die Betroffe- nen es sich bis zur Hochzeit anders überlegen. Da verschwimmen die Übergänge zu den mit familiärem Druck, Erpressung und physischer Gewalt erzwungenen Heiraten.
Die gibt es in unterschiedlichen Konstellationen. Da werden etwa in Deutschland aufgewachse- ne junge Mädchen mit einem Mann in der Türkei verheiratet, der sich damit einen Aufenthalts- status in Deutschland sichert. Andere Migrantinnen werden zur Heirat in der elterlichen Heimat genötigt, um sie dort "gut versorgt" oder vor dem "schädlichen Einfluss" Deutschlands bewahrt zu wissen. Daneben werden in der Bundesrepublik aufgewachsene Männer bewusst an eine Frau im Herkunftsland verkuppelt, weil die als "noch unverdorben" gilt. Später, in Deutschland, sind gerade diese Frauen der Zwangsehe am hilflosesten ausgeliefert. Bei den Zwangsheiraten sind nicht selten handfeste Geld- und Immobilien-Händel im Spiel. Heiraten im engen Verwandtenkreis schaffen darüber hinaus ein medizinisches Problem. So verdoppelt sich etwa bei Ehen zwischen Cousin und Cousine das Risiko, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen. mehr dazu siehe http://www.nadeshda.org/foren/cl.soziales.frauen/p66s76a20.html http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,542806,00.html http://www.islamische-zeitung.de/?id=5245 http://www.youtube.com/watch?v=F9OxLJ9SJwk http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E1ECC2B524AF14B14B8C848C15006A7E7~ATpl~E common~Scontent.html http://www.wdr.de/themen/kultur/religion/islam/konflikte/interview_zwangsheirat.jhtml http://www.amnesty.de/umleitung/2005/deu05/015?lang=de&mimetype=text/html&destination=node%2F3031 http://www.pirmin-mueller.ch/index.php?id=14&tx_ttnews%5Btt_news%5D=57&tx_ttnews%5BbackPid%5D=12&cHash=366b 416215 http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?key=standard_document_30624496&rubrik=5710 http://www.ehre.nrw.de/pdf/Handlungskonzept_Zwangsheirat.pdf http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~ECE1E8E98506949D8B093832A9B1357C4~ATpl~E common~Scontent.html http://www.swissinfo.org/ger/startseite/detail/Tausende_von_Zwangsehen_in_der_Schweiz.html?siteSect=105&sid=7326442& cKey=1165435510000 http://www.pi-news.net/2008/11/zwangsehen-die-ignorierte-normalitaet/

Islam bedeutet Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen ...
Lehrer schlägt elfjährigen Schüler tot
Ein Gericht in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria hat einen Mathematiklehrer wegen Totschlags zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Der 23-Jährige hatte im Oktober einen elfjährigen Schüler im Unterricht mit Schlägen und Tritten dermaßen misshandelt, dass dieser starb.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte Berufung an.
Der Fall hatte in Ägypten für großes Aufsehen gesorgt. Lehrern ist die körperliche Züchtigung ihrer Schüler in dem Land per Gesetz verboten. Dennoch sind Ohrfeigen und Schläge mit dem Lineal auf die ausgestreckten Finger an Ägyptens Schulen nicht selten.
Die Verteidigung hatte sich in dem Prozess unter anderem darauf berufen, dass der Lehrer die Klasse zur Ruhe rufen wollte und nicht die Absicht gehabt habe, den Elfjährigen, den er als Störenfried ausgemacht hatte, zu verletzen. siehe http://www.rtl.de/rtlaktuell/rtl_aktuell_artikel.php?article=24408&pos=3