Eine haarige Frage
Wissen Sie, ich such mir ganz gerne ein bisschen Streit, denn ich bin so ein unbequemer Querdenker. Ich mach mir so meine Gedanken, so über jenes und alles, einfach so meine eigenen Gedanken, zum Weltgeschehen, und so, und zu den kleinen Dingen des Lebens, die alle betreffen und so ... aber eben auch mich und ... und Sie.
Na klar, nun bleiben Sie mal ruhig. Ich weiß doch selber, dass so was böse enden kann, dass alle glauben, es wäre besser nicht zu viel zu denken, sich keine Gedanken zu machen.
Ich bin doch nicht blöd. Aber ich bin eben nicht wie ... na ja, wie Sie ... oder wie ihre Nachbarn, die sind ja ziemlich blöde, wissen Sie. Nichts für ungut, Sie sind ja wahrscheinlich ganz okay, ... es sind meistens die anderen ... die sich keine Gedanken machen. Da ist ja auch nicht viel, außer schweigender Leere in verbiesterten Gehirnen.
Und ich hab eben auch Spaß daran, mir Streit zu suchen, Themen gibt’s ja jede Menge. Manchmal kann ich einfach nicht anders, das kommt einfach so, und dann kann ich nicht wieder aufhören.
Ist wie ne Sucht ... haste mal angefangen, findste kein Ende mehr ... ohne Ende ... geht immer weiter ... ganz von allein ... da oben im Kopf. Iss ja auch kein Wunder......
Das mit dem Wünschen und so, das ist so ein Ding, nur schwer zu kontrollieren und weitgehend unberechenbar. Ich kann da auch ein Lied von singen oder besser jene, die mich gerne tot, gehenkt oder geteert und gefedert gesehen und zusammengeschlagen hätten, nachdem ich respektlos meine Gedanken zur Ermordung von Hatun Sürücü in die Öffentlichkeit getragen habe.
Huuiiiiiii, so viel Feindseligkeit habe ich auch noch nie vorher erlebt. Aber was ist, - ich lebe immer noch, und kann noch immer einfach nicht meinen Mund halten.
Fragen Sie ehemalige Freunde oder Freundinnen nach ihren Wünschen und Träumen als sie jung waren, leicht machbar auf dem nächsten versoffenen Klassentreffen. Sie alle schwärmten für einen Filmstar, einen Schlagersänger oder Pop-Musiker wie Paul McCartney, zumindest aber für jenen Mitschüler, hinter dem alle Mädchen auf der Schule her waren und der die Freundinnen wechselte wie die Unterwäsche, jede Woche eine andere.
Ja, ja, ich weiß, das wollen Sie jetzt gar nicht hören, dass wir angeblich so zivilisierten deutschen Männer die Unterwäsche rein statistisch gesehen nur einmal pro Woche wechseln, nicht wenige sogar noch seltener. Wir haben nun mal eine seltsam ambivalente Beziehung zu Hygiene und Körperpflege und besonders zur Unterwäsche. Wir benutzen die neuesten Deos, die verwegensten Duftnoten, das coolste Haarwachs, tragen nur Markenklamotten, die nahezu alle zum Hinsehen verpflichten.
So was kann der sich leisten ...? Das ist wie mit dem Duschen und regelmäßigem Waschen, und ich meine hier nicht jene Mitmenschen, die unter einem regelrechten Waschzwang leiden, die den ganzen Tag an nichts anderes denken, sondern ganz durchschnittliche Mitmenschen wie du und ich.
Und wo trifft man die am häufigsten? Erraten, - aber Sie wussten ja auch schon länger, dass ich öffentliche Verkehrsmittel liebe, dass ich sie oft und gerne benutze. Aber ich empfinde es auch als abstoßend, wenn mir einer dieser Mitmenschen begegnet, eingehüllt in eine Belästigungswolke aus mehrere Tage altem Schweiß- geruch. Das ist wie mit den Genen vererbt. Unglaublich viele Zeitgenossen leben immer noch in dem anerzogenen Lebensrhythmus, dass nur am Freitagabend, also einmal in der Woche, richtig gebadet und geduscht wird, dann Abendessen, zwei Stunden Fernsehen, und dann mehr lustlos und schnell die Ehefrau begatten. Ansonsten lassen sie nur Wasser an jene Körperstellen, die sichtbar und damit unvermeidlich sind.
Und so riechen sie dann auch.
Oh nein, ich meine nicht jene Mitmenschen, die in immer weiter auswuchernden Bevölkerungs- schichten der neuen deutschen Armut anheimfallen und nicht wissen, wovon sie morgen leben sollen, nicht Hartz-4-Empfänger, und auch nicht 1-Euro-Jobber, nicht die verleugneten Opfer einer völlig realitätsfernen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik sozialdemokratischer Prägung, sondern ganz banal durchschnittliche Zeitgenossen in modischer Kleidung, äußerlich sehr gepflegt und cool, mit Handy am Ohr und schicker Armbanduhr am Handgelenk, sowohl in männlicher, als auch in weiblicher Ausgabe, und oft auch beiderlei Geschlechts androgyn ausgeprägt.
Nein, nein, schweifen Sie hier nicht wieder ab. Ich weiß und habe das jetzt oft genug geschrieben, dass ich gerne meine Hauptschulbildung exponiere und eitel mit Fremdworten um mich werfe, damit sie meine Allgemeinbildung bloß nicht übersehen. Wenn Sie wissen wollen, was androgyn ist schauen Sie im Duden nach, wir bleiben jetzt strikt beim Thema.
Denn unter der äußeren Kleidungsschicht lebt noch immer der Neandertaler, und spätestens bei den Schuhen hört es sowieso auf mit dem coolen Schick. Die sind meistens nicht geputzt, oft sogar richtig ungepflegt, mit leichten Rissen im Oberleder, an den Kanten abgeschabt, mit Resten von Kaugummi und Hundescheiße in den Sohlenrillen. Sie liegen ja auch nicht unmittelbar im Blickfeld und fliegen Zuhause wenig beachtet nach dem Tragen irgendwo in eine Ecke. Das sind wir so gewohnt, denn Mami hat uns ja zuverlässig immer die Schuhe geputzt. Frauen sind da meistens anders, die haben Schuhe nicht nur in größeren Mengen und Farben, die achten auch darauf, dass sie stets wie frisch gekauft aussehen, bis hin zu krankhaften Exzessen von zweihundert Paar Schuhen.
Wer soll die eigentlich wo und wann tragen? Es gibt tatsächlich Frauen, die kaufen sich neue modische Schuhe, die sie nur einmal im Leben anziehen, - und zwar bei der Anprobe im Schuhgeschäft, - danach nie wieder. Hauptsache erst mal haben und sicher im Schuhschrank verstauen, aus dem sie nie wieder das Tageslicht erblicken.
Dafür sind die Zähne aber auch bei Männern geradezu unheimlich weiß und gepflegt. Gut, zugegeben, sie sind chemisch gebleicht, nicht gesund, sieht aber Klasse aus, auch wenn das Zahnfleisch dabei auf Dauer drauf geht.
Bei den Frauen wiederum sind die neuen Brüste unübersehbar aufgepolstert, Silikon auf Raten- kredit, denn der Dispo macht´s möglich, und richtig pralle Brüste sind heutzutage eine unverzicht- bare Notwenigkeit. Zwar ist ihre Schuldengrenze ohnehin schon bis zum Anschlag ausgereizt, aber was tut man nicht alles für gutes Aussehen. Na, dieses Jahr schon neue Kissen in die Brüste operieren lassen, oder zumindest Botox gegen die Falten gespritzt?
Der 3-Tage-Bart bei Männern ist mittlerweile schon mega-out, obwohl es immer noch jede Menge Zeitgenossen gibt, die sich damit unsagbar und unbesiegbar cool fühlen. Und diese schwarzhaargegelten Schniegelheinis vor den grellen Discos und in den Fußgänger- zonen mit Freiluftcafes, diese Möchtegern-Frauenverführer und Machos aus allen orientalischen Ländern, sind immer noch out und prahlen bestenfalls in schmuddeligen Talkshows mit ihrer Unwiderstehlichkeit gegenüber Frauen, die nur in ihrer nicht vorhandenen Fantasie existiert oder gegenüber Frauen, die objektiv betrachtet eigentlich keine sind.
Wer will schon so einen haarfetttriefenden Typen mit zusammengewachsenen Augenbrauen, der nicht einmal in der Lage ist einen halbwegs durchdachten Satz zu formulieren? Daran sind doch bestenfalls geistlos notgeile Tussis interessiert, die auch sonst kein Schwanz im Bett haben will.
Aber die Schuhe haben sie blitzblank geputzt, das muss man ihnen lassen, ich meine den Schniegelheinis. Und meistens zeigen sie viel von ihrer leicht gebräunten haarlosen Brust, mit schwerer Goldimitat- kette.
Und da sind wir dann auch schon beim Thema, auf das ich eigentlich hinaus wollte.
Ja, ja, ich weiß, ich rede und schreibe viel zu oft um den heißen Brei herum. Aber ich bin eben ein echter leidenschaftlicher Hingucker, und es gibt so vieles zu sehen, was mehr als eine kleine Rand- erwähnung wert ist.
Falsch, die schmierig öligen und radebrechenden Rap-Orientalen meinte ich nicht, die sind wirklich keine Erwähnung wert. Mir geht es mehr um die Details, die viele Frauen ganz gerne sehen, - hinge nicht dieser unmögliche, tumbe und spracharme Typ zwangsläufig damit dran. Ich meine diese haarlose Brust von dem gläubigen Gottes-Lover, dieses männliche Geschenk Allahs an die Frauen, - für das er sich selber hält.
Das ist Teil eines Systems, das sich längst verselbstständigt hat. Was ich damit meine? Na klar, sie haben das auch schon so verinnerlicht, dass Sie gar nicht mehr darüber nachdenken und es dennoch unterbewusst wahrnehmen und konsequent danach leben.
Denken Sie doch mal wieder nach, schließen Sie die Augen, besinnen Sie sich auf sich selbst, und schauen Sie in ihr Inneres, ihre Seele, in diese bodenlose Leere.
Haben Sie schon jemals eine Werbung für Männer-Deo gesehen, bei der ein leicht brusthaar- verfilzter, nicht mehr ganz schlanker Mittvierziger den halbnackten Werbeträger gibt? Haben Sie ernsthaft noch nie darüber nachgedacht, warum wir das so sexy finden, diese haarlose Brust, mit leicht glänzender Haut?
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