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In den Momenten der Ruhe, wenn er sich ganz dicht bei sich selber fühlte, mit sich im Reinen war und erbarmungslos ehrlich, dann fragte er sich manchmal, was ihn und Hanna eigentlich wirklich miteinander verband. War es mehr als nur die körperliche Nähe, das hemmungslose Spiel der Lust, das sie auslebten zu jeder gebotenen Gelegenheit?
Die Architektin und der Künstler, die Bürgerliche und der Maler, der mit äußerster Sorgfalt seine Leinwand grundierte und dann nach oftmals stundenlangem Daraufstarren plötzlich mit einem Furioso an kreativer Leidenschaft Farbimpressionen entfesselte. In dieser Arbeit schien er sich völlig aufzugeben und zu verlieren, schuf Tiefen und Höhen in schwer zugänglichen Kompositionen.
Sie war diejenige, die das Geld nach Hause brachte, die Architektin, die durch die Region und manchmal auch weit darüber hinaus eine ganze Woche reiste und Aufträge hereinholte, mit dem untrüglichen Gespür für interessante und lukrative Geschäfte. Sie hatte nicht nur studiert, nicht nur mit Bravour ihr Examen gemacht, sondern vor allem das unleugbare Talent von ihrem Vater geerbt. Jetzt gehörte die Firma zur Hälfte ihr, war sie nicht nur Tochter, sondern Partnerin ihres Vaters.
Er verkaufte tatsächlich manchmal Bilder an eine mittelgroße Galerie, die seine beste Einnahmequelle war – und ihn dennoch immer wieder zweifeln ließ, ob seine Werke wirklich Kunst oder nur Raumschmuck für gut zahlende Kundschaft war, die es sich leisten konnten, ihr Zuhause mit seinen Bildern zu schmücken.
Bei einer Vernissage waren sie sich das erste Mal begegnet.
Sie war ihm sofort aufgefallen mit ihren fast schneeweißen Haaren, dem langen geflochtenen Zopf, den strahlend blauen Augen und diesem sinnlich perlenden Lachen. Linkisch war er gewesen, wie immer, wenn er sich aus Marketinggründen diesen Men- schen stellen musste, - was er gar nicht liebte. Sie hatte ihn angesehen, ihre Augen sich gefunden, die Blicke ertranken förmlich inein- ander, und schon war alles passiert, was er sich vorher nicht einmal vorstellen konnte. Sie gingen vorsichtig aufeinander zu, sprachen erste halblaute und nichtssagende Worte, - und sie sah das Erstaunen in seinen Augen, als er ihren unüberhörbaren niederländi- schen Akzent vernahm. Er schmunzelte darüber und konnte sich an ihrer Stimme nicht satthören.
Noch an diesem Abend landeten sie im Bett, liebten sich leidenschaftlich und wild, beide mit einer spielerischen Leichtigkeit, die ihn verblüffte und sie bezauberte. Sie blieb bis zum Frühstück, was ihn glücklich machte. Denn er hasste es, wenn eine Frau sich im ersten Morgengrauen nahezu wortlos aus seinem Bett stahl, sich rasch anzog, ein letztes Mal ordnend über die zerzausten Haare strich und bereits aus seiner Wohnung verschwunden war, noch ehe er wirklich wach geworden und irgend etwas Vernunftbegabtes sagen konnte.
Hanna war anders, das spürte er sofort. Sie wollte nicht einfach weggehen, blieb zum Frühstück und noch länger, weil sie unausgesprochen nicht von seiner Seite weichen wollte. Sie tranken Kaffee, Fruchtsaft, genossen seinen Lieblingsjoghurt und seine Rühreier mit schmalen Speckstreifen und frisch gehackten Zwiebeln. Das hatte sie beeindruckt, denn er empfand es offensichtlich als völlig natürlich und nicht besonders erwähnenswert, dieses Frühstück für sie zuzubereiten.
Die Kundenakquise war ihr an diesem Morgen so gleichgültig wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Vorsichtig tastend erzählten sie wechselseitig voneinander, lächelten und streichelten wie zufällig ihre Handrücken, küssten sich sanft, nicht so wild und entfesselt wie in der Nacht. Sie sah sich seine Bilder an, die sie noch nicht kannte. Es gab unzählig viele, alle ringsum an den Wänden in seinem hellen kleinen Atelier aufgestellt. Immer mehrere voreinander, denn Platz war nicht so viel vorhanden, wie er ihn gerne gehabt hätte.
Die Zeit flog nur so dahin, ohne dass sie den Hauch eines Gespürs dafür bekamen. Als sie vorschlug den Tag miteinander zu verbringen, hätte er am liebsten laut gejubelt, denn längst war er ihr förmlich verfallen. So etwas konnte er aber nicht offen ausspre- chen, er kanalisierte seine Gefühle in langsam aufflammender Leidenschaft, küsste sie, streichelte ihr Wangen, ihre Arme, ihre Hände, knöpfte ihre Bluse auf, liebkoste ihre Brüste und hob sie leicht auf die weißgraue Arbeitsplatte neben seinem alten Elektroherd mit den etwas abgenutzten Kochplatten. Hanna hätte so etwas niemals in ihrem eigenen Zuhause getan, Körperlichkeit und Lust entfesselten sich bei ihr traditionell im Bett. Doch als wäre es das selbstverständlich Vertrauteste der Welt versuchte sie ihren Po anzuheben, ihm das Handling zu erleichtern, als er ihr den weißen Seidenschlüpfer aus- ziehen wollte. Doch es gelang ihm nicht, sodass sie schon mehr als bereitwillig war von dieser Arbeitsplatte wieder hinabzusteigen. Unverwandt sahen sie sich dabei die ganze Zeit an, und so sah sie mehr die Bewegung seiner Lippen, als dass sie ihn wirklich flüstern hörte: „Ich ... ich kauf dir `nen Neuen ...“
Ehe sie begriff, was er meinte, zerriss er mit einem kurzen Ruck den feinen Stoff und entblößte so das Ziel seiner zärtlichen Begierde. So etwas hatte sie noch nie erlebt, geschweige denn gedacht oder irgendwie fantasiert.
Diese sinnlich-erotische Geschichtehat gerade erst richtig angefangen und ist vor kurzem in einem Buch veröffentlicht worden - siehe etwas tiefer - aber Sie können sie ebenfalls zu Ende lesen, - in meinem Buch.
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