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Aus Erfahrung mit diesem Text weiß ich, dass er sehr oft missverstanden wird.
Er ist keine Identifikation mit den Tätern, keine Rechtfertigung, keine Sicht der Täter, sondern die fast gleichgültig klingende Schilderung einer Vergewaltigung, wie sie zu Hunderten Monat für Monat in diesem Land, in dieser Gesellschaft stattfinden. Die wenigsten derartigen Verbrechen kommen zur Anzeige, und noch immer sehen viel zu viele Mitmenschen ein solches Verbrechen eher großzügig an.
Man liest es in der Zeitung, manche machen abfällige Bemerkungen über die Opfer, dann geht es wieder in den Alltag, mit einer Gleichgültigkeit, als wäre nichts geschehen.
Gewalt ist in dieser Gesellschaft längst zum Normalfall und Teil des Alltags geworden.
Nach vielen Gesprächen mit Opfern und Tätern, mit Polizisten/-innen und Hilfsorganisationen, nach intensiven Recherchen und immer wieder neuen Überarbeitungen ist dieser Text entstanden, der die Gleichgültigkeit der Gesellschaft – also unsere Gleichgültigkeit – gegenüber sexueller Gewalt widerspiegelt. Es ist wichtig für Autoren/-innen, sich auch heikler Themen aus verschiedenen Blickwinkeln anzunehmen, und manchmal mit dem Schreiben auch in eine Rolle zu schlüpfen, die man selbst zum Kotzen findet.
Ich mag diesen Text nicht, finde ihn sogar ekelhaft, weil diese Taten nicht meine Sachen sind. Aber als Autor erscheint es mir wichtig auch mal in Rollen zu schlüpfen, die rein gar nichts mit meinem Denken zu tun haben, - und so war es wichtig und richtig diese Geschichte so zu schreiben.



"STREET  FIGHTING  MAN"



Stur die Straße lang in der frühen Dämmerung. Wie ein graues Band fegt der Asphalt unter ihm weg.
Der einsame Wolf ist auf der Jagd.
Natürlich ist sein Auto schnell, männlich sportliche Lenkung, viele Pferdestärken, hohe Beschleunigung,  doch der Motor läuft erstaunlich ruhig und gleichmäßig.
Die Musik im Radio zu laut, doch nur eine Spur aggressiv.
So liebt er es.
Selbstverständlich ist er weltmännisch erfahren, selbstbewusst und progressiv, aber nicht mehr ganz jung. Doch einen Bauchansatz wird man bei ihm nicht finden. Etwas schwammig, mit Dutzendgesicht, aber sympathisch, markante Wangenknochen, nicht uninteressant, vertrauenerweckend.
Er ist linksliberal, eher liberal, aber nicht zu deutlich in seinen Gedanken, wenn er welche hat - und die dann auch äußert. Immer schön mitschwimmen im Strom, die Karriere fest im Blick.
Manchmal träumt er davon so `ne Kanone zu kaufen, so ein Riesending, wie Clint Eastwood immer eine hat, so `ne 45er Magnum, obwohl eine Walther PP viel praktischer wäre, weil er sie auch leicht im Handschuhfach verstecken könnte. Ein anderer Traum von ihm beschäftigt sich mit Handgranaten, und lässt ihn reflexartig grinsen. Was wäre das für ein Spaß bei voller Fahrt mitten auf der Autobahn plötzlich und unerwartet Handgranaten auf die Straße zu schleudern.
Das gäbe einen riesigen Schrotthaufen und zerfetzte Leiber aus Blut und Gedärmen.
Am liebsten fährt er GTI oder ähnliches. Der Wagen ist natürlich geliehen, Inter-Car, und im Radio spielen sie
"Street Fighting Man ..."
Das ist schön, passt sehr gut in seine Stimmung.
Dann, den Daumen im Wind, das winkende Mädchen am Straßenrand. Eigentlich überhaupt nicht sein Fall, aber rothaarig. Darauf steht er ganz besonders. Ein wenig zu pummelig, mit deutlichem Hüftspeck und Reiterhosen über den Oberschenkeln. Ein wenig zu kurzbeinig, ein wenig zu luftig gekleidet, nachlässig – sexy, Gammel-Look. Kein Rasseweib, aber ganz passabel.
"The Time is right for Revolution ..."
Sie steigt ein, lächelt dankbar unverbindlich.
Er spürt den Hauch eines Duftöls, weiß sofort, dass sie schöne feste Brüste hat, und wo sie hin will.
So Eine ist sie also ...
Die Sorte kennt er nur zu gut.
Nein, sie will nicht rauchen, hat aber auch nichts dagegen wenn er ...
Selbst seine Zigaretten sind männlich, und beim Zurücklegen ins Handschuhfach, das hat er oft genug geprobt, greift er ihr in die Bluse, an die Brust, fühlt für Sekunden ihre warme feste Haut, - vielleicht sogar ihren Herzschlag, der aussetzt vor Schreck.
Sie stößt die Hand weg, protestiert sehr heftig.
Doch der einsame Wolf schüttelt sich nur lachend.
"Cause summer here and the time is right for fighting in the street Boy ..."
Sie hat plötzlich sichtlich Angst, will aussteigen. Doch er setzt viel zu schnell nach, sie zu überfahren,
sie aggressiv ein bisschen anzumachen und ihre wachsende Angst zu schüren.
Die Hand auf dem Knie stößt sie weg, rutscht mit gehetzten Blicken ganz an die Tür, während der Wagen deutlich beschleunigt.
Der einsame Wolf lacht leise und hämisch, genießt ihre große Angst, ihren schnellen Atem. Er riecht den Angstschweiß unter ihren Achseln, auf ihrer Stirn perlend, in ihren Handflächen als feiner Dunst.
"Said my name is called disturbance ..."
Ihre Hände zittern, sie ist blass und macht sich ganz steif, - seiner auch, als sie endlich den kleinen Parkplatz an der Autobahn erreichen. Sie sind allein, kein zweiter Wolf in der Nähe, keine Familienkutsche auf Rast,  kein Mensch, der ihr stummes Schreien sehen kann.
Die Türen rasch versperrt, Zentralverriegelung.
Sie kann sich vor Panik kaum rühren.
"I m the Destroyer, I m the Slayer ...i kill the King….."
Nur schwache Abwehr, ein angstvolles Wimmern, das törnt ihn an.
Er steht ihm wie eine Lanze. Wenn sie "Nein" schreit, weiß er ganz genau, dass sie "Ja" meint, sich nur geniert wegen ihrer Geilheit, die sie wie ein wildes Tier überfällt. Das hat der einsame Wolf oft genug erlebt, auf zahllosen Jagden. Ihre Tränen können ihn nicht täuschen.
Sie ist scharf auf ihn, will ihn und nur ihn.
Der Liegesitz klappt, tausendfach geübt, wie von selbst ganz leicht zurück, breitet die Beute unter dem Wolf aus. Zwischen ihren Brüsten fühlt er Schweiß. Sie klemmt die Beine zusammen, stemmt sich gegen ihn, aber ohne laut zu schreien.
Doch er lässt sich nicht mehr täuschen. Er weiß, was sie will, er muss nun wohl etwas brutaler werden. Sie will das unbedingt so, das törnt sie an.
"But what can a poor boy do ..."
Er hat es schon vorher gewusst, ein kräftiger Faustschlag, eine blutende Nase, ein bisschen Blut, öffnet ihm ihre Möse.
Er hat es ja gewusst. Jetzt muss er sie nur noch hart rannehmen. Schließlich soll sie auch ihren Spaß haben, er ist ja kein Spielverderber.
"I m the Destroyer, I m the Slayer ..."
Wie geil sie plötzlich aufschreit, als er mit einem Zug in sie eindringt. Ihre Heulerei ist nur Spiel und Mache, das kennt der einsame Wolf genau. Sonst würde sie doch nicht so ordinär lustvoll stöhnen, fast schon etwas zu vulgär für seinen Geschmack.
Und - hat er es nicht gewusst, ihre Brustwarzen sind hart. Sie ist so geil, wie wahrscheinlich noch nie zuvor im Leben. All das kennt er, auch das Gefühl als es ihm kommt, wie aus einer Wasserleitung.
Er atmet heftig durch, schnauft und setzt sich wieder auf, steckt seine Waffe ein und schließt die Hose. Dann wischt er sich den Schweiß von der Stirn, und etwas von dieser sämigen Flüssigkeit, und eine Spur Blut vom Nebensitz.
"I ll shout and scream, I ll kill the King ..."
Plötzlich ist sie aus dem Wagen raus, verschwindet wie ein Blitz zwischen den Begrenzungsbüschen, lässt nur das zerrissene Höschen zurück, und einen nassen Fleck aus Blutgemisch auf dem teuren Sitz.
"Blöde Kuh..:" denkt der einsame Wolf, und dass sie sicher nicht gekommen ist. Er hätte sie gerne bis zur nächsten Abfahrt gebracht.
"But what can a poor boy do ..."
Achselzuckend seufzend fährt er wieder los.
Mal sehen was noch so rumläuft auf den Straßen.
Er ist der einsame Jäger, GTI, rasanter Start, viele Pferdestärken, hohe Beschleunigung, doch der Motor läuft erstaunlich ruhig.
Die Musik im Radio zu laut, doch nur eine Spur aggressiv. So liebt er es, der einsame Jäger, wenn der Asphalt wie ein graues Band unter ihm wegfegt.
Und im Radio spielen sie:
"I can´t get no Satisfaction ..."







    
©  Hans B.
 

Das ist zweifellos eine schockierende Geschichte -  aber als Autor muss ich manchmal auch erbarmungslos schreiben. Wenn Sie mehr solche Geschichten und haarsträubende Storys lesen wollen, dann sollten Sie sich über dieses e-book informieren  Klicken Sie einfach auf den Buchtitel und Sie erfahren mehr darüber, wie Sie dieses Buch bekommen können ...

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