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Der Frauentyp

 

Ich traf ihn eher zufällig bei einer Freundin. Sie war nie meine Geliebte oder Affäre, aber ich fand sie schon immer sehr attraktiv und hätte mir so einiges mit ihr vorstellen können. Ob das umgekehrt auch so war, weiß ich nicht, obwohl Anne ganz ungeniert mit mir flirtete, wann immer sich eine Gelegenheit bot. Dennoch kamen wir nie über eine zuverlässige und innige Freundschaft hinaus, haben uns zum Beispiel niemals richtig geküsst, - ich meine, so richtig mit Zunge und so.                                                                                                                             

Aber dieser Typ, den ich da zufällig bei ihr antraf, das schien genau ihr Mr. Right zu sein.

Dabei sah er wirklich langweilig aus, keine sportlich durchtrainierte Figur, sondern sogar ein unübersehbarer Bauchansatz, der sich in späteren Jahren sicher noch mehr ausbeulen würde. Sein Haar wirkte etwas struppig, das Gesicht zwar gemütlich, aber auch ziemlich durchschnittlich nichtssagend, eine flache Stirn, braune Augen und eine etwas zu breite Nase, ein schmallippiger Mund. Unüberhörbar war er kein flotter Unterhalter für liebeshungrige Frauenherzen, sondern recht schweigsam, was vielleicht darauf schließen ließ, dass er gut zuzuhören verstand.

Wer ihm ahnungslos begegnete, hätte ihn sicherlich nach wenigen Augenblicken schon wieder vergessen.                                                                                                                                         

Aber er war ein Frauentyp, daraus machte er kein Geheimnis, ohne damit zu prahlen.

Als ich bei Anne eintraf, öffnete sie mir zu meinem Erstaunen die Wohnungstür nacktbeinig im Slip und kurzem Hemdchen. Für eine Sekunde schwankte ich zwischen freudiger Überraschung und anschwellender Begeisterung über diesen unkonventionellen Empfang, folgte ihr auch unaufgefordert ins Schlafzimmer, wohin sie leichtfüßig voraneilte. Doch da sah ich ihn dann zum ersten Mal, wie er sich frech und breit auf ihrem Bett lümmelte, als wäre es völlig selbstverständlich, dass das sein angemessener und zugestandener Platz war.                                                                                                                                                                  

Ich hatte noch nie auf Annes Bett gelegen, zumindest konnte ich mich nicht daran erinnern. Selbst nach langen Partynächten oder einem ausgedehnten Discobesuch saßen wir angeheitert, scherzend und schelmisch lächelnd auf den hellbraunen Stühlen in ihrer Küche und leerten gemeinsam ihre letzten Bierflaschen.                                                                  

Mit einer flüchtigen Hand- und Kopfbewegung stellte mir Anne ihren neuen Liebhaber vor: „Das ist Teddy ...“                                                                                                                                          Sein stummes und nur angedeutetes Lächeln erzählte mir zusätzlich alles, was ich gar nicht wissen wollte. Der fühlte sich sehr wohl an seinem Platz und war hier unübersehbar der große Platzhirsch, gegen den niemand auch nur den Hauch einer Chance bei Anne besaß. In der kurzen Vorstellung spiegelte sich diese typische subtile Arroganz, wie man sie als gelegentlicher Kinogänger von den wechselnden Schauspielern aus dieser Agentenserie mit 007 kennt.                                                                                                                                                 „Mein Name ist Teddy, gern berührt, aber nicht geschüttelt ... die Frauen lieben mich, da kann man nichts machen ...“                                                                                                                     

Er war mir unsympathisch, und ob ich das eingestehen wollte oder auch nicht, ich empfand einen sehr schmerzhaften Stich der Eifersucht in meiner Brust.                                                     Jede Geste an diesem Typ erzählte mir von seinen Vorteilen, die an ihm unmittelbar nicht offensichtlich waren.                                                                                                                                    „Ich bin der Liebhaber ... der Liebesmanager in diesem Bett ... der absolute Frauentyp ... Ich kann alle Frauen haben und nehme sie mir gern zur Brust ... die Frauen stehn auf mich ... Ich habe mehr Sexappeal, als du dir überhaupt vorstellen kannst ... Ich habe schon Frauen kennengelernt, wie du sie nur aus dem Fernsehen kennst ...“                                                         

Er wurde mir immer unsympathischer, aber Anne strahlte, wann immer sie ihn ansah und schnelle Blicke zu ihm warf, während er ziemlich schweigsam auf dem Bett herumsaß, eine Hand locker und gleichzeitig obszön zwischen die gespreizten Beine gelegt, als wolle er etwas ganz Bestimmtes damit sagen.

Wenigstens schenkte sie mir genauso viel Aufmerksamkeit wie ihm, immer wieder ein warmes Lächeln und strahlende Augen, während sie unentschlossen in ihrem Kleider- schrank nach etwas passendem zum Anziehen suchte. Alle Türen dieses breit gebauten Möbelstücks standen offen und erlaubten mir intime Einblicke auf Blusen, Blazer, Kleider und superkurze Röcke, auf eng sitzende Hosen, knappe Tops und fein verarbeitete Spitzenunterwäsche, nebst den zahlreichen Kleidungsutensilien, die man als Mann nur am Rande des Bewusstseins zur Kenntnis nimmt.

Anne zeigte strahlend gute Laune, doch ich wusste mit absoluter Sicherheit, dass die Quelle für all dieses Wohlbehagen und diese Ausgelassenheit von ihm kam, diesem Teddy, der mich mit ungerührter Miene beobachtete und seinen Platz auf dem Bett unangefochten behauptete.                                                                                                                                                      Als Anne noch mal schnell für kurze Zeit ins nahe Badezimmer huschte und dort länger als geplant verweilte, nutzte er ungeniert die Gelegenheit mir etwas von seiner Erfolgsstory zu berichten.

 

 

 

 

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