Eine prima Sache
Also, was mich betrifft, ich habe eine ausgeprägte Abneigung gegen Vereine und Clubs, Interessenverbände, Parteien und so weiter. Ich bin kein Vereinsmeier und auch kein Anhänger von irgendwelchen wichtigen oder sogar schlagenden "Verbindungen". Ich will in keinem Vorstand sitzen und erst einmal lange, ausgiebig und kritisch Meinungen, Standpunkte und Stellungnahmen durchden- ken, bevor ich mich für meinen ganz eigenen Gesichtspunkt in jeglicher Fragestellung entscheide. Ganz gleich, welche Ziele Vereine und Verbindungen auch haben mögen, sie neigen sehr schnell dazu Kritiker aus den eigenen Reihen wegzumobben und kaltzustellen. Sie dulden nur widerwillig Mitglieder mit individualistischen eigenen Meinungen. Querdenker sind immer und überall unbequem, aber in Vereinen sind sie völlig fehl am Platz.
Es fällt mir persönlich schon schwer für die "Aktion Sorgenkind" ein offenes Ohr zu haben, denn diese organisierte Mildtätigkeit geht mir mit ihrem gewaltigen Verwaltungs- Apparat mächtig auf die Nerven. Ebenso würde ich nicht ohne lange Bedenken für das "Müttergenesungswerk" spenden, denn Mütter waren mir schon immer von ihrer Grundlebenseinstellung her ausgesprochen suspekt, - ich traue ihnen nicht.
Einen Kleingarten finde ich gar nicht so schlecht, würde auch gerne selber einen besitzen, nicht kaufen, nur pachten, wenn ich mir dafür nicht den ganzen Vereinsirrsinn mit den hirnrissigen Regeln aufhalsen müsste. Bei denen ist sogar der Aufstellpunkt für Gartenzwerge bis auf den Zentimeter genau geregelt. Außerdem will ich keinem Verein beitreten müssen. Aber ohne Mitgliedschaft in einem Schrebergarten-Verein gibt es eben auch keinen Kleingarten für mich zu pachten. Wenn ich ganz ehrlich bin, will ich eigentlich nur mein Leben genießen und ansonsten meine Ruhe haben. Gelegentlich gehe ich ganz gerne ins Kino oder schaue mir bis spät in die Nacht mehr oder weniger dämlich spannende Filme im Fernsehen an, - immer vorausgesetzt, es gibt überhaupt mal ein paar gute.
"Miami Vice" zum Beispiel finde ich immer noch echt Klasse, auch in der zig-sten Wieder- holung.
Doch das Leben ist unberechenbar, sage ich schon seit vielen Jahren. Ob sie es glauben oder nicht, aber letzte Woche bin ich tatsächlich einem Verein beige- treten. Ich habe mich eintragen lassen als zahlendes Mitglied. Die Gebühr ist angemessen, ich komme dabei voll auf meine Kosten. Die Grundidee des Vereins hat mich total überzeugt, sodass ich höchstens zwei Stunden gezögert habe.
Es ist schlicht genial. Dass es so etwas ähnliches nicht schon früher gegeben hat, ist für mich erstaunlich, fast unglaublich. Aber wahrscheinlich ist es wie mit vielen Dingen im Leben, die sich sehr rasch als wahre Geniestreiche herausstellen: Es muss nur erst mal einer darauf kommen, - der Rest ist ein Kinderspiel oder reine Business-Organisation. Dennoch frage ich mich immer noch, wie eine derartig verbraucherfeindliche Marktlücke im Big Business solange übersehen und Bürgerwünsche in dieser Richtung einfach ignoriert werden konnten. An den wahrhaft explosionsartig steigenden Mitgliederzahlen kann doch jeder Idiot mehr als deutlich ablesen, dass hier der Initiator dem Wunschdenken des Otto Normalbürgers sein Ohr geöffnet hat.
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