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Das wirkliche "Big Business"                        

 

Ich hatte mal wieder - wie so oft - über mich, mein Leben, meine fragwürdige Zukunft und meine angespannt finanzielle Lage nachgedacht, als mir davon kotzübel wurde. Alles drehte sich um mich und vor meinen Augen tanzten rote Kreise.                                                Da ich gerade in der Stadt spazieren ging, taumelte ich folgerichtig wie ein total Besoffener durch die Fußgängerzone, rempelte halb umnebelt Menschen an, wurde weggestoßen und angepöbelt, stieß torkelnd gegen Laternenmaste und Schaukästen inmitten des ganzen üblichen Einkaufstumultes.                                                                                                      Beinahe wäre ich sogar richtig gestrauchelt und auf den Asphalt geklatscht, konnte mich aber gerade noch abfangen und fand mich plötzlich im Eingang eines hippen Platten- ladens in der Flingerstraße wieder.                                                                                                        Noch schwer atmend und keuchend lehnte ich mich einen Augenblick an die Tür, versuchte den wabernden Schleier vor meinen Augen loszuwerden und wieder zu Atem zu kommen. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass mich eine langweilig aussehende Blondine mit grellblauem Lidschatten, leichter Akne und toupierten Haaren statt einer erkennbaren Frisur, misstrauisch von ihrem Kassenpult kurz vor dem Ausgang beobach- tete.                                                                                                                                                                  Mit meinen blutunterlaufenen Augen, der blass verschwitzten Haut, muss ich wohl ziemlich seltsam ausgesehen haben.                                                                                                   Doch das war mir in diesem Augenblick völlig egal.

Nach ein paar Minuten, während immer noch unentwegt und völlig uninteressiert Menschen an mir vorbei in den Plattenladen rein und rausdrängten, ging es auch mir wieder besser. Wie aus einem bösen Traum erwachend, sah ich mich erst einmal um, bis mir richtig klar wurde, wo ich eigentlich tatsächlich war.                                                                 Schon um das weiter wachsende Misstrauen der Blondine an der Ausgangskasse abzuschütteln, ging ich ein paar Schritte in den Laden hinein, blätterte ohne großes Interesse zwischen den buntbedruckten zahllosen CD-Hüllen, registrierte halbbewusst ein paar bekannte Bandnamen. Zu meinem Erstaunen fand ich hier bestätigt, was ich erst vor kurzem gelesen hatte, dass nämlich die früher vertrauten echten Schallplatten aus Vinyl eine beschränkte Renaissance erlebten. Sie waren zwar schon im Ausgangsmaterial viel bunter als die früheren schwarzen Scheiben, aber unübersehbar keine digitalen Tonträ- ger. Die richtigen HiFi-Freaks behaupten ja, dass die Klangqualität mit der einer CD oder DVD nicht einmal ansatzweise zu vergleichen wäre, dass Musik von einer Vinyl-LP viel mehr Klangvolumen und Klangbreite besäße.

Mir war das ziemlich scheißegal, besonders in diesem Augenblick, aber ich konnte mein Interesse dennoch nicht verleugnen.

Allmählich beruhigte ich mich wieder, bis ich nach einer Weile halb interessierten Blätterns zwischen den Plastikhüllen meine mir vertraute Gelassenheit vollkommen zurückgewon- nen hatte.      

 

 

 

 

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