mail to
Home
weiter
zurück

Erdbeerkuchen mit Sahne

 

Kennen Sie etwas Besseres, als Düsseldorf im Frühling?                                                             Selbst hier, abseits der baum- und schaufensterbestückten Königsallee, mitten in den halbschattigen Häuserschluchten des neuen Medienhafens, zwischen grauen Altbauten, hell verklinkerten Sanierungshäusern und beinahe futuristisch anmutenden Architektur- kunststücken, auf den winkeligen und engen, vielbefahrenen Straßen und ziemlich mick- rig bewachsenen Grünflächen dazwischen ließ es sich mitten im April, nicht mehr leug- nen: Die Stadt erwachte zu neuem, frischen Leben, - sogar der Rhein schien nicht so einen penetranten Geruch wie üblich auszusenden. Der Himmel war herrlich blau und die Sonne schien warm auf Robert herab, sodass er den Blazer ausziehen konnte.                     Es herrschte eben so richtiges Gute-Laune-Wetter.
Er drehte sich noch einmal um, schaute an der kühlen grünschimmernden Glasfassade des Gebäudes, das er gerade verlassen hatte, hinauf.                                                                     Wenn das wirklich klappen sollte ... unbeschreiblich!                                                                      Das Vorstellungsgespräch zumindest war sehr verheißungsvoll verlaufen. Der Geschäfts- führer hatte persönlich mit ihm sprechen wollen, schien zufrieden mit seinen Arbeits- zeugnissen und bisherigen Leistungen in der Branche und machte einen sehr netten und aufgeschlossenen Eindruck. Es war verdammt nicht leicht in dieser begehrten und leider zu überlaufenen Branche einen neuen Arbeitsplatz zu finden.                                                        Zudem war er auch noch jung, anpassungs- und lernfähig, - all das stimmte ihn sehr zuversichtlich.
„Wir werden uns bestimmt bei ihnen melden“, hatte der Geschäftsführer mit einem Lächeln gesagt, als sie sich verabschiedeten. Er glaubte ihm – und war überzeugt, dass die baldige Antwort nur positiv werden konnte.
Fröhlich vor sich hinpfeifend schlenderte er ein paar Schritte in Richtung des neuen WDR-Sendehauses und der anderen Senderverwaltungsgebäude. Es war später Donnerstag Vormittag und nicht allzu viel los rund um die Hafenstraße und den Rheinpark, der seinen Namen etwas zu Unrecht trug, denn so parkähnlich war er nicht einmal ansatz- weise. Dafür war Wochenmarkt, direkt hinter den alten Häusern am Erftplatz. Er hatte bislang nicht einmal geahnt, dass es so etwas hier gab, kannte das nur vom Karlsplatz oder vom Fürstenwall. Von seinem künftigen Bürofenster - so hoffte er inständig - würde er ihn hervorragend sehen können. Nicht, dass er Wochenmärkte besonders liebte, aber er suchte jetzt schon so lange nach einem neuen Arbeitsplatz, dass er diesen unbedingt haben wollte. Er erschien ihm haargenau auf die eigene Person zugeschnitten.
Sehr ergiebig war der Markt allerdings leider nicht, wie er mit ein paar schnellen Blicken feststellen musste. Denn neben dem obligatorischen türkischen Obst- und Gemüsehänd- ler gab es nur noch Wollsocken in allen Farben, einen mittelgroßen Fischstand, und den besten Edelstahlreiniger der Welt – wenn man denn dem Marktschreier Glauben schenken wollte. Der gab sich wirklich jede erdenkliche Mühe, seine Waren unter die eher spärlich vertretene Laufkundschaft zu bringen.                                                                                                Hinzu kam noch einer dieser Verkaufswagen, von dieser sich zur Zeit überall in der Stadt ausbreitenden Bäckereikette mit der „unbeschreiblichen neuen Frische auf dem Früh- stückstisch“.
Wie konnte er einen Teilerfolg wie den, den er gerade errungen hatte, besser feiern, als mit einem, oder zwei, netten Stücken Erdbeerkuchen mit Schlagsahne?                                          In Ermangelung einer Frau in seinem Leben wohl gar nicht, dachte er sich und stellte sich in den Schlagschatten der geöffneten Seitenklappe, um nach dem Objekt seiner sündigen Gaumenbegierde Ausschau zu halten.
Gerade musste er enttäuscht feststellen, dass es gar keinen Erdbeerkuchen in der Aus- lage gab, als ihn die modisch gestylte und sehr blonde Verkäuferin auch schon ansprach:
„Biddeschön?“ Schnarrte sie breit und knautschte genüsslich auf einem Kaugummi herum.
„Also,... Erdbeerkuchen haben sie wohl nicht – den wollte ich eigentlich.“
Er sah sie fragend an.
„Wenn se noch’n pa Minut’n wart’n, wir krieg’n gleich wat rin. Kann sein, dat da wat bei is. Der jeht heut wie blöde, muss wohl an’t jute Wetta lieg’n.“                                                            Er starrte sie an, als habe sie chinesisch mit ihm gesprochen und konnte es kaum glau- ben. So breiten Berliner Slang bekam man in der NRW Landeshauptstadt in der Tat nicht allzu oft zu hören. Ihm erschien es wie ein gutes Omen und verwirrte ihn dennoch gleich- zeitig, denn darauf war er überhaupt nicht vorbereitet gewesen.
Das Grinsen der jungen Frau wurde so breit, dass sich der Kaugummi eindeutig als typisch giftgrüner Wrigleys identifizieren ließ. Den Beweis trat sie auch prompt in Form einer recht gut gelungenen und fast kinderkopfgroßen Kaugummiblase an, die sie geschickt mit der Zunge ausbalancierte und nach dem Platzen professionell zurück zwischen die Zähne holte.
Er war mindestens ebenso fasziniert wie abgestoßen von ihrer Darbietung und beschloss zu warten. Sie hingegen grinste immer noch und quakte:
„Kann nich mehr lange dauern. Unser Fahrer is krank, aber det mach’n die schon irgend- wie. Eener is immer da zum Fahr’n.“                                                                                                      Selbst Berlinerinnen, so registrierte er noch etwas irritiert, fanden also in Düsseldorf wesentlich leichter einen Arbeitsplatz, als in der neuen Hauptstadt. Aus seiner Sicht hätte er allerdings wesentlich lieber in Berlin gearbeitet, wo sich Firmen der Datenverarbeitung und digitalen Medien geradezu knubbelten und wechselseitig die Aufträge abspenstig machten. Nur konnte er sich in seiner Ausgangslage zweifelsfrei keinen Umzug nach Berlin leisten.                                                                                                                                                Ihm war zwar völlig unklar, wen die gestylte Kaugummikünstlerin mit „die“ meinte, aber er nickte höflich und beobachtete weiter gebannt ihr geschicktes Spiel mit dem Kaugummi. Er hatte diese Dinger nie gemocht und schmeckte fast schon das leicht seifige Aroma, das sie abgaben, wenn man länger als zehn Minuten auf ihnen herumkaute, als ein weißer Kleintransporter mit roter Firmenaufschrift und schrill quietschenden Bremsen direkt hinter dem Verkaufsanhänger hielt.
Er dachte darüber nach, was ihm wohl sein Vater erzählen würde, begegnete er seinen Kunden auf diese eher burschikos unprofessionelle Art und Weise. Locker entspanntes Wochenmarktleben hin oder her: dass so etwas hinter einem Lebensmitteltresen nicht gut ankam, war offensichtlich und klar.                                                                                                        Im selben Moment flog die Tür des Verkaufswagens auf, knallte gegen die Theke und eine große, gutaussehende junge Frau, mit brünetten Wuschelhaaren, so Mitte zwanzig, in einer weißen Latzhose, weißen Schuhen und einem weißen T-Shirt mit dem roten Werbe- logo der Bäckerei quer über der Brust schlüpfte geschickt und wendig herein.
„Wer hat hier nach Nachschub geschrien?“
Ein beinahe bühnenreifer Auftritt, wie sie so da stand, die Arme weit ausgebreitet, ein char- mantes Lächeln im Gesicht und auf Applaus wartend.                                                                   Noch ein Verkaufsprofi, dachte er und musste grinsen. Wirklich schade, dass sie nicht zur Konkurrenz seines Vaters gehörten, – das wäre dann ein Sieg auf ganzer Linie.
„Na endlich! Haste Erdbeerkuchen mit? Der Mann da wartet druff.“
Immerhin, die modisch gestylte, blonde und Kaugummi kauende Verkäuferin schien sich recht gut zu amüsieren über ihre Kollegin, die dieses Mal wohl die Fahrerin mimte.               „Tach, heeßt det übrijens!“ erwiderte die ebenfalls im breitesten Berliner Slang. “Wer hatt’n dir Manieren beijebracht, du Landei?“
Laut prustend brach nun ein schadenfrohes Lachen aus ihm heraus, wofür er sofort verständnislose, leicht wütende Blicke der beiden Frauen erntete. Also versuchte er sich wieder zu beherrschen, und fragte erneut nach seinem Kuchen.
„Nee, na dis tut mir nu abba leid. Erdbeer is aus.“                                                                            Äffte sie ihre blonde Kollegin aus dem Verkaufswagen nach?                                                     Die schien seine Vermutung zu teilen und versetzte ihrerseits der brünetten Fahrerin einen kommentarlosen Stoß mit dem Ellbogen in die Seite.
„Hee ... det is ne Misshandlung! Und dat vor so nem netten Kunden.“                                        Sie zwinkerte ihm tatsächlich zu.                                                                                                            Flirtete sie etwa mit ihm?                                                                                                                           Das wurde ja immer lustiger.
„Na gut, dann danke.“ Er drehte sich weg und rief im Weggehen über seine Schulter: „Vielleicht beim nächsten mal!“
„Ja, tschüss, – und tut mir leid wegen den Kuchen!“ Unverkennbar ihre Stimme, auch wenn er nicht hinsah, das musste die Brünette gewesen sein.

 

 

 

Glauben Sie mir bitte, das wird jetzt zu einer wunderbaren Liebesgeschichte - - wollen Sie weiterlesen?  .

 - wenn Sie mehr davon und andere erotische und manchmal auch skurrile Liebesge- schichten  lesen wollen, dann sollten Sie sich über dieses e-book informieren  Klicken Sie einfach auf den Buchtitel und Sie erfahren mehr darüber, wie Sie dieses Buch bekommen können ...

Es ist ohne Ausnahme verboten Texte und Kurzgeschichten aus dieser Website ohne Genehmigung in anderen Websites oder Blogs zu veröffentlichen. Bei Zuwiderhandlung erfolgt sofortige juristische Strafverfolgung durch eine Urheberrechtsklage

Home
weiter
zurück