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Irgendwie ist alles schief gelaufen

 

 

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, legte er den Hörer auf. Seine Hände waren ganz kalt, nass und zitterten. Mit wenig Erfolg versuchte er sie an seiner Jeans trocknen zu reiben.  „Der verdammten Schlampe werd ich´s zeigen“, murmelte er noch einmal voller Zorn vor sich hin. „Mal richtig auf die Fresse fliegen soll sie ...“                                                                      Es hatte sie einen Scheißdreck interessiert, dass er bis gestern ziemlich am Ende gewesen war. Wegen ihr hätte er sich beinahe umgebracht, als sie ihm ganz wie selbstverständlich nebenbei verkündete, dass sie ein wenig Abstand zu ihm brauchte, eine Auszeit.                                                                                                                                                  „Wir hängen immer ... Tag für Tag, immer zusammen, Ralf“, hatte sie ihm mit ihrer leicht kreischenden Stimme vorgejammert, „das ... das kann einfach so nicht weitergehen ...“      Dabei hatte er immer bedingungslos an diese grenzenlose Leidenschaft zwischen ihnen geglaubt, die sich erbarmungslos und wechselseitig an ihnen festsaugte, sie beide zu manchmal seltsamen emotionalen Ausbrüchen verleitete.                                                              Und das wollte sie jetzt lieber aus der Ferne sehen?

Einen stabilen Strick hatte er sich schon besorgt und glaubte, wenn er Angie ihren Wohnungsschlüssel trotz ihrer eindeutigen Aufforderung nicht zurückgeben würde, könnte er sie damit hart bestrafen, dass er es dieses Mal ernst meinte und sich tatsächlich umbrachte. Nach ihrer Rückkehr sollte sie ihn in ihrem Schlafzimmer auffinden, theatra- lisch baumelnd an diesem Stück Seil, festgeknotet an den kräftigen Eisenhaltern der Gardinenstange.

Angie, die eigentlich Angelika hieß, aber so großen Wert darauf legte Angie genannt zu werden, weil das viel internationaler klang; würde hoffentlich einen Nervenzusammen- bruch erleiden, hysterisch herumschreien und eine ganze lange Zeit lang nicht wissen, was sie tun sollte. Ihn abzuschneiden würde sie kaum wagen, weil ihr dazu erstens das handwerkliche Geschick, zweitens die Coolness und drittens die Kraft fehlte, den unweigerlich fallenden Körper aufzufangen. Wahrscheinlich würde sie ziel- und planlos und gleichzeitig schreiend und jammernd durch alle Räume ihrer Wohnung rennen und schließlich weinend um Hilfe rufen.                                                                                                        Doch auf so was reagierte in dem Appartmenthaus, in dem sie lebte, absolut niemand.      Wenn sie am Ende völlig erschöpft war, würde sich bei ihr vielleicht mit etwas Glück so etwas wie ein lichter Moment einstellen und sie die Polizei anrufen lassen. Die würde dann professionell die gesamte Angelegenheit managen, ihn abschneiden und in einem Zink- sarg wegbringen zur Gerichtsmedizin, die immer noch weitgehend hysterische Angie verhören.

Und dann, dann endlich würde sie allein sein, völlig allein mit sich, ihren Schuldgefühlen und ihrer aufgewühlten Angst und leiden, - und er – Ralf – würde damit sein Ziel voll- kommen erreichen und sie ausgiebig bestrafen für ihre ständigen egozentrischen Gemein- heiten.                                                                                                                                                            Zwar war er dann tot und konnte sich nicht mehr ausgiebig weiden an ihrem emotionalen Zusammenbruch, - aber das war nur ein kleiner Abstrich an dem Gefühl es ihr mal so richtig gegeben zu haben.                                                                                                                          Ganz allein auf sich gestellt, sollte sie dann zusehen, wie sie damit fertig wurde.                    Wahrscheinlich würde sich Angie mal wieder die Kante geben, eine Flasche Cognac oder Asbach aufmachen, sich leicht angewidert bei den ersten Gläsern schütteln, aber dann tapfer ihre aufblühende Depression wegen seines Todes ersäufen.                                            Darin war sie richtig gut, im Gefühle ersäufen.                                                                                    Sie würde ganze Packungen Papiertaschentücher vollheulen und aussehen, als wäre sie schwerst erkältet, mit rot verquollenen Augen. Wie immer, wenn sie flennte um irgendet- was zu erreichen oder weil ihr gerade danach zumute war, würde sie sich dann schließlich ins Bett unter ihre Blumendecke verkriechen und eine schier endlose Weile ihre erpresse- rischen Krokodilstränen vergießen.

Doch dieses Mal würde sie damit Pech haben, denn Ralf wollte auch dagegen vorsorgen und beschlossen sich auf ihr Bett zu hocken, darauf zu urinieren und einen kräftigen Scheißhaufen abzulassen, das Ganze anschließend fein säuberlich mit der Bettdecke zugedeckt. Schon der Gedanke und die hochschießende Vorfreude auf ihr Entsetzen und ihren Ekel hatte eine ungeheure Genugtuung bei ihm ausgelöst.                                               

 

 

 

 

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