mail to
Home
weiter
zurück

Endstation

 

Es war der 16.Mai, an diesem Tag jährte sich sein Geburtstag. 86 Jahre war er alt geworden – und fühlte sich älter, als ihm selber lieb war.
Gustav Pauli war da angekommen, wo er eigentlich nie hinkommen wollte: Im Altersheim – oder auch Seniorencenter, wie man das jetzt so beschönigend nannte.
Da saß er nun in seinem Sessel mit dem etwas abgeschabten rotbraunen Cordbezug, das einzige vertraute Möbel, das er überhaupt mitbringen durfte in dieses Zwangszuhause, und schaute aus dem Fenster.                                                                                                               Es regnete unangenehm nieselnd. Wie Tränen rannen kleine Wassertropfen an den Fensterscheiben hinunter. Drei Etagen tiefer auf der nahen Straße rauschten Autos vorbei, nicht sichtbar, zischten durch fein stiebenden Regen.                                                                    Es war Mai, der Frühlingsmonat schlechthin. Warum musste ausgerechnet heute, an seinem 86.Geburtstag der Himmel seine traurig grauen Wolken türmen und Schauer auf die Erde werfen?                                                                                                                                         Niemand hatte seinen Geburtstag zur Kenntnis genommen, selbst der Morgenschwester schien das nicht bekannt, sie ließ nicht eine winzige Andeutung davon verlauten, weckte ihn wie jeden Morgen, scheuchte ihn mit sanfter Gewalt und mürrischer Stimme zum Waschraum, wie seit scheinbar unendlich langer Zeit.

Wirklich lange, war Gustav Pauli zwar noch nicht in diesem Altenheim untergebracht, aber es kam ihm wie Jahrhunderte vor.                                                                                                         Irgendwo draußen klingelte kreischend eine Straßenbahn, und ab und zu ahnte Gustav Pauli leises Stimmengespinst vor dem Fenster, wo sich angeblich das echte Leben mit all seinen Farcen, Tragödien und Liebesbanalitäten abspielte.                                                          All das schien so unendlich weit weg.                                                                                                  Für ihn war die Welt klein geworden, meistens beschränkt auf seine 25 Quadratmeter Zimmerflucht, durch dezent lindgrün-weiß gestreifte Tapeten an den Wänden heimelig gestaltet.                                                                                                                                                       Er empfand es nicht mal als halbwegs schön. Zu sehr störte ihn dieser Geruch, der überall im Hause wahrzunehmen war, dieser Geruch alter Menschen, der Odem nach ange- trocknetem Urin, in einer seltsam absurden Mischung mit Lavendel und Kiefernadeln, vor allem aber nach Einsamkeit.                                                                                                                    Menschen glauben zwar immer, dass Einsamkeit keinen Geruch habe, aber Gustav Pauli wusste es jetzt besser.

Ein schwarzer Vogel saß plötzlich auf dem Sims vor dem Fenster, tippelte ein wenig hin und her, drehte den Kopf mit den kleinen schwarz glänzenden Augen und dem metallisch glänzenden schwarzen Schnabel und schien nach allen Seiten vorsichtig auszuspähen.
Gustav Pauli hatte ihn schon ein paar mal gesehen, eine Krähe, die irgendwo zwischen den grauen Häusern der Menschen und dem kärglichen Grün der unvermeidlichen Aus- laufanlage des Altenheims lebte.

Die Krähe schien ihn anzuschauen, hatte vielleicht eine Bewegung bei ihm wahrgenom- men und schien sich völlig bewusst, dass ihr von seiner Seite keine Gefahr drohte, dass dieser alte Mann viel zu langsam in seinen Bewegungen war, um ihr ernsthaft gefährlich werden zu können. Hätte er versucht nach ihr zu greifen, müsste er zunächst seinen Sitzplatz verlassen, die schäbige gelbe Gardine gänzlich zur Seite schieben, das Fenster öffnen und dann auf einen leeren Sims blicken, während das schwarze Federvieh längst höhnisch krakend irgendwo zwischen Auspuffgasen und Küchendünsten seine Freiheit und Sicherheit im grauen Regen suchte.                                                                                             Ja, für Gustav Pauli war dieser schwarze Vogel ein Symbol der Freiheit, nicht so hässlich, wie ihn manche bezeichneten, aber durchaus und unverkennbar mit einem Maß an Spott und Verachtung für den alten Mann, der matt seine Anwesenheit beobachtete.

 

 

 

 

Das ist eine Erzählung, die Mut macht nichts alles als gegeben hinzunehmen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Wollen Sie weiterlesen? 

 - wenn Sie mehr davon und andere erotische und manchmal auch skurrile Liebesgeschichten  lesen wollen, dann sollten Sie sich über dieses e-book informieren  Klicken Sie einfach auf den Buchtitel und Sie erfahren mehr darüber, wie Sie dieses Buch bekommen können ...

Es ist ohne Ausnahme verboten Texte und Kurzgeschichten aus dieser Website ohne Genehmigung in anderen Websites oder Blogs zu veröffentlichen. Bei Zuwiderhandlung erfolgt sofortige juristische Strafverfolgung durch eine Urheberrechtsklage

Home
weiter
zurück