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Lust und Power

Auszug aus meinem Roman „Die Geschichte von Katharina & Paul“
1.Buch „Das Buch der Liebe“ - 4. Kapitel




Schlafen war allerdings Mangelware in dieser Nacht.
Wir hatten uns grinsend darauf verständigt, uns gegenseitig durch Mundzuhalten die Laut- stärke zu dämpfen, - und das war gut so, denn wir wollten uns selbst weder vor unseren Freunden,  noch Maria bei ihren Nachbarn in Verlegenheit bringen.
Wir liebten unsere Maßlosigkeit, liebten unsere Schamlosigkeit, begeisterten uns an unse- rem Spieltrieb, der unsere Fantasie beflügelte und Kapriolen schlagen ließ. Es gab so vieles, worüber Katharina gelesen hatte, - wovon ich in erotischen Träumen fantasierte.
Wir probierten es aus.
Es gefiel ihr, als ich im Rausch der Sinne meine Lust unter ihrer schweißfeuchten Achsel explodieren ließ. Weil sie so eine Wahrnehmung meiner und der eigenen Fleischeslust außerhalb ihres Körpers erlebte, ohne selbst völlig ihre Kontrolle über die Sinne verloren zu haben.
Mir gefiel es, dass sie mir ihr feuchtwarmes Lustzentrum wie eine reife, saftige Frucht kredenzte, über meinem Kopf kniend, und sich laut stöhnend ausschlürfen ließ, bis sich Schweiß und Tränen zu einem Fluss auf zitternder Haut vereinigten.
Katharina war fasziniert, wie sie mir sagte, als sie allein mit zärtlichen Fingern meine Leidenschaft über den Höhepunkt hinaustrieb, während sie ganz konzentriert und mit allen Sinnen, mich fassungslos erlebte.
Sie liebte es, meine Lust zu schmecken, sie auf meiner schweißfeuchten Haut zu riechen.
Mir gefiel es, sie ganz langsam und konzentriert nur mit den Fingerspitzen auf der Haut in den schieren Wahnsinn zu treiben, bis sie völlig verschwitzt und weit ausgebreitet, mit keuchen- dem Atem winselnd auf ihrem Hochbett lag.
Sie zeigte sich unfähig, herunter zu klettern, sich etwas zu trinken zu holen, obwohl sie vor Durst ganz heiser war  ...

  ... viele Möglichkeiten schöpften wir aus, erteilten uns scham- und rückhaltlos alle Zärtlich- keiten und Spielarten unserer Fantasie, schrien, keuchten, stöhnten, weinten, seufzten und zappelten wie ein auf ´s Land geworfener Fisch, wenn uns die Ekstase überwältigte.
Erst im frühen Morgengrauen fanden wir dann ein wenig Schlaf.
Am Montagmorgen blickten uns zwei müde, leicht graue Gesichter aus dem Badezimmer- spiegel an   ...

  ... Als ich Samstag Nachmittag Katharina von ihrem Tanzkurs abholen wollte, schien der Himmel noch unverändert, grau und trügerisch, als ob es jeden Augenblick regnen könnte.
Der Wallgraben lag etwas am Rande des Dobbenviertels, eine kleine Gasse mit schönen alten Häusern und Hinterhäusern, alten Werkstatträumen von Handwerksbetrieben, unmit- telbar am Heilig-Geist-Wall.
Falls es auf der Rückfahrt zu Regnen anfangen würde, hatten wir immer noch eine Chance halbwegs trocken in Katharinas Zuhause anzukommen.
Ich fand das umgebaute Haus mit dem großen Übungsraum nahezu sofort, bockte die "Alte Lady" auf, trat durch den Eingang in einen kleinen Vorraum, dem man die frühere Nutzung als Verkaufsraum noch deutlich ansah. Hinter einem kleinen Schreibtisch mit Telefon und einer Menge Ordnern saß eine junge Frau.
Sie bestätigte mir sofort, dass ich hier vollkommen richtig wäre.
Leider habe der Kurs jedoch eine Viertelstunde später angefangen als geplant, erklärte sie mir, und würde nun natürlich auch ebenso länger dauern. Ich müsse warten, bis die Teil- nehmer herauskämen, - und sie bot mir einen von vier Stühlen zum Warten an.
"Darf ich ... eventuell ... die restliche Zeit drinnen warten?" fragte ich vorsichtig, denn ich wollte zu gerne zusehen und erfahren, wie das tatsächlich aussah, von dem Katharina mir so ausführlich berichtet hatte.
Die junge Frau hinter dem Schreibtisch zögerte einen Augenblick, und schien den Gedan- ken abzuwägen.
"Sind sie ein ... Angehöriger von einem Teilnehmer?"
"Nein ..."
Sie zögerte wieder, und schien sich nicht sicher, was sie jetzt tun sollte.
"Aber ich bin mit einer Teilnehmerin ... mehr als nur befreundet", fügte ich rasch hinzu und hoffte doch noch auf eine Zusage, "mit Frau ... Barrellha ..."
"Mit Katharina?" die Frau schien sie gut zu kennen, sah aber scheinbar an mir vorbei, weil sie sich wohl noch immer nicht entschieden hatte. Immerhin schüttelte sie abwägend den Kopf verzog das Gesicht.
"Sind sie sehend ...?" fragte sie mich schließlich etwas unsicher lächelnd, und ich nickte stumm.
"Sind sie  ... sehend?"
Erst als die Frau die Frage wiederholte, wandte ich den suchenden Blick von der Tür ab, stutzte ein wenig und erkannte dann plötzlich, dass die Augen der jungen Frau sehr starr an mir vorbei sahen, nur wenig, aber unübersehbar.
Sie war blind.
 

 

 

 

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