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„Liebst du mich ...?“
So zartweiche Haut, so blass und warm, so weiche, sinnliche Lippen, eine starke, leicht gekrümmte Nase, liebevolle Braunaugen, groß und weit geöffnet. Sie kannte dieses Gesicht, und auch diese Hände, die so sanft sein und im nächsten Augenblick fest zupacken konnten, das dunkle Haar auf dem Handrücken, die deutlich sichtbaren Adern, die Muskeln unter der Haut. Ganz dicht beugte sie sich zum ihm hinunter, brachte ihr Gesicht ganz dicht vor seines, betrachtete lächelnd die feinen Schweißperlen auf seiner Oberlippe, auf der Stirn, in die sich eine einzelne Haarsträhne verirrt hatte. Oh ja, er war ein gutaussehender Mann, mit breiten Schultern, durchtrainiert und ohne Bauchansatz, mit kräftigen Armen und dichtem Kraushaar auf der Brust, dem immer noch vollen Silberhaar auf dem Kopf. Frauen sahen ihm auf der Straße nach, lächelten ihm zu, träumten sicherlich davon ihm einmal so nahe zu kommen, seine fordernde Lust zu spüren, wie sie sie immer wieder erlebte, seine zügellose Leidenschaft, bis er - so wie jetzt - schwer atmend auf dem Rücken lag, die Haut so warmfeucht. Doch niemand durfte so dicht und nackt bei ihm sein wie sie, breitbeinig auf seiner Brust sitzen, zärtlich über seine Wange streichen, ihm zulächeln, ihn wissen lassend, dass sie ihn in wenigen Sekunden von seiner Lust erlösen würde. Es war so leicht gewesen, und sie hatte es genossen, so lange darauf gewartet, bis sie endlich Mut und einen Weg fand. Arglos hatte er wie immer das Glas Sekt getrunken, denn er gönnte sich immer eine Flasche, bevor sich ihre Körper in Lust vereinten. Er war völlig ahnungslos gewesen – und sehr schnell eingeschlafen. Sie hatte ihn gänzlich auf das breite Bett gelegt, seine Arme mit fester Schnur am Bettpfosten angebunden, sich selber nackt ausgezogen, denn ihr schönes neues Kleid sollte keinen Fleck bekommen. Dann hatte sie gewartet, einfach nur gewartet. Und jetzt war er aufgewacht, wohl wissend oder ahnend, dass er an diesem Tag eine ganz besondere Lust erfahren sollte, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Wieder strich sie ihm sanft über die Wange. „Liebst Du mich?“ flüsterte sie ihm leise zu und sah ihn heftig und stumm nicken. „Gut ... gut ...“ Sie beugte sich nach vorn, ließ ihn kosten von der Haut ihrer kleinen Brüste, und lachte seltsam leise. Ganz ruhig beugte sie sich zur Seite, griff geschickt zum Nachttisch, wandte sich dann wieder diesem vertrauten Gesicht zu. Sanft küsste sie seine Lippen, seinen Mundwinkel, strich mit warmem Atem und weichem Mund über seinen Hals, denn sie wusste nur zu genau, was ihm wirklich gefiel, und wie erwartet beugte er seinen Kopf weit in den Nacken damit ihre hauchzarten Berührungen ihn überall erreichen konnten. „Bin ich ... Papas Liebling ...?“ Wieder nickte er heftig und stumm. Sie hatte oft zugesehen, wie er mit sicherer Hand sein Barthaar stutzte. Das hatte sie immer sehr gemocht., diese Zeremonie aus Schaum und edlem Stahl. Für einen Lidschlag lang blitzte es in ihren Augen auf wie mitternächtlicher Frost, und sie hielt den Atem an. Da griff sie unerwartet fester zu, hielt seinen Kopf weit in den Nacken gebeugt und richtete sich lächelnd auf. Mit einer einzigen, konzentrierten und kraftvollen Bewegung schnitt sie ihm mit dem Rasiermesser die Kehle durch, von einem Ohr zum anderen und hörte lächelnd den im eigenen Blut erstickenden, gurgelnden Schrei. Zum letzten Mal beugte sie sich tief über ihn und brachte ihre Lippen flüsternd an sein Ohr, wohl wissend, dass er sie noch hörte, die Entschlossenheit in ihrer Stimme.
„Ich werde nie wieder ... nie wieder Papas Liebling sein ...“
Es war ihr 14. Geburtstag.
© Hans B.
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