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Wissen Sie, ich such mir ganz gerne ein bisschen Streit, denn ich bin so ein unbequemer Querdenker. Ich mach mir so meine Gedanken, so über jenes und alles, einfach so meine eigenen Gedanken, zum Weltgeschehen, und so, und zu den kleinen Dingen des Lebens, die alle betreffen und so ... aber eben auch mich und ... und Sie. Na klar, nun bleiben Sie mal ruhig. Ich weiß doch selber, dass so was böse enden kann, dass alle glauben, es wäre besser nicht zu viel zu denken, sich keine Gedanken zu machen. Ich bin doch nicht blöd. Aber ich bin eben nicht wie ... na ja, wie Sie ... oder wie ihre Nachbarn, die sind ja ziemlich blöde, wissen Sie. Nichts für ungut, Sie sind ja wahrscheinlich ganz okay, ... es sind meistens die anderen ... die sich keine Gedanken machen. Da ist ja auch nicht viel, außer schweigender Leere in verbiesterten Gehirnen. Und ich hab eben auch Spaß daran, mir Streit zu suchen, Themen gibt’s ja jede Menge. Manchmal kann ich einfach nicht anders, das kommt einfach so, und dann kann ich nicht wieder aufhören. Ist wie ne Sucht ... haste mal angefangen, findste kein Ende mehr ... ohne Ende ... geht immer weiter ... ganz von allein ... da oben im Kopf. Iss ja auch kein Wunder......
Also die letzten Tage vor Sylvester waren ja wieder grauenhaft. Der ganze Weihnachts-Irrsinn war noch gar nicht richtig verdaut bei mir, die fetten Braten, die Weihnachtsgans, die vielen Süßigkeiten und der massive Alkoholkonsum, - ich war noch ganz außerhalb meiner Standardform. Und dann diese grässliche Vor-Sylvester-Knallerei, obwohl ja per Gesetz dieser private Knaller- krieg erst zwei Tage vor Neujahr beginnen sollte. Aber daran hielt sich offenbar niemand, am wenigsten die aufgeheizt aggressiven Kinder. Von Morgens bis Abends, diese Knallerei mit Krachern, Knallfröschen und Feuerwerkskörpern aller Art, vor allem und hauptsächlich durch Asylanten-Kinder, - also jenen angeblich unterprivilegierten Nachkommen ausländischer Arbeit- nehmer oder Flüchtlinge. Kaum einem Krieg im eigenen Heimatland entronnen, schienen sie ganz verrückt darauf zu sein, ihn ohne größeres Risiko für das eigene Leben auf den banalen Straßen ihres derzeitigen Gast- landes fortzusetzen. Überall rannten kleine und größere Kinder mit knallenden Pistolen, Gewehren und sogar Maschinenpistolen herum, warfen kleine Kordelbomben in Hauseingänge und Hinterhöfe. Erfahrungen werden nachgespielt, sagen die psychologisierten Gehirnklempner. Doch ich glaube eher, die wollen und können einfach nicht anders. Die brauchen einfach das Krachen und Knallen der Waffen, die berstenden Explosionen, weil sie ihnen für einen fragwürdi- gen Augenblick eine gewisse Aufmerksamkeit sicherten.
In allen Straßen, an jeder Hausecke, in kleinen Parks, auf Parkplätzen und innerhalb der Grünan- lagen wurden zig-tausende Mark in grauen Pulverrauch und ohrenbetäubenden Lärm aufgelöst. Überall saßen und standen verdreckte Kinder mit glänzenden Augen und vor Eifer hochroten Köpfen zusammen, steckten die Köpfe zusammen, tuschelten, lachten und schienen ohne jegliche gebotene Vorsicht ihre kleinen, höchstpersönlichen Bombenanschläge auszuprobieren. Jedem Kind sein persönliches, intimes, lustvolles kleines Massaker, - ist wie im Fernsehen, wie im Irak, nur echter. Manche von ihnen flitzten schnell und in halb geduckter Haltung um die nächste Ecke, wie sie es aus den heimatlichen Bürgerkriegen kannten, wenn sie einen besonders dicken Krachern in eine Mülltonne geworfen hatten, die kurz darauf in Flammen aufging.
Irgendwelchen ahnungslosen Passanten wurden skrupellos China-Bomben zwischen die Beine oder einfach hinterher geworfen. Besonders bekannte oder schon einmal gesehene Nachbarn anderer Heimatherkunft, und die Hausflure von infantil verfeindeten anderen Nachbarskindern, schienen sie wie magisch für ihre Anschläge anzuziehen. Ich dachte immer, die sind hierher gekommen, weil sie den Krieg absolut satt hätten, weil sie nur noch Ruhe und Frieden wollten, - aber selbst erwachsene Asylanten, in abgerissenen Kleidern, im Geruch von Armut und Schweiß, schienen ein unbändiges Vergnügen am privaten Bürger- krieg zu haben. Woher haben die eigentlich das überschüssige Geld dafür, schließlich sind doch diese Sylvester-Bomben nicht gerade billig oder gar umsonst ?
Und dann besonders die Fußgängertunnel, Brückenunterführungen und Garagen wurden zum Haupt-Kriegsschauplatz, zogen dieses knallwütige Potential wie magisch an. Weil dort, durch das selbstverständlich verstärkt entstehende Echo und den Außenhall die Wucht der Explosio- nen noch um ein vielfaches bedrohlicher wurden. Ob da dann zufällig oder selbstverständlich bzw. aus naheliegenden Gründen Menschen in der Nähe waren, oder Autos, die im dichten Rauch kaum noch auszumachen waren, schien diese "Knaller" überhaupt nicht zu interessieren, eher noch anzustacheln. Offene Fenster reizten die Kriegs-Spieler ebenso ungeheuer, denn von der Straße ließ sich ohne große Mühe bis in die 2.Etage so mancher großer Schrecken verbreiten, - während die Täter, oft noch Kinder, blitzschnell ihre Flucht um die nächste Hausecke realisieren konnten.
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