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Dies ist nach mehreren Vorfassungen quasi die Endfassung meines großen Romans “Die Geschichte von Katharina & Paul” in drei Büchern und 6 Bänden. Eigentlich braucht die ganze Erzählung keine Erklärung, aber einiges möchte ich doch erläutern, weil vieles den Lesern/-innen sehr fremd erscheinen mag und vielleicht sogar unlogisch. Die Erzählung erklärt sich im Prinzip selbst, aber es braucht ein wenig Einlesen, um den Aufbau zu verstehen.
Ausgangsbasis ist ein real existierendes Paar, bestehend aus einer geburtsblinden Frau und einem jungen Mann aus den 70er Jahren, die beiden Hauptprotagonisten der gesamten Erzäh- lung. Ich habe mit ihnen lange, ausführliche und sehr detaillierte Gespräche geführt, auf Band aufgezeichnet und ausgewertet, - obwohl ich beide sehr gut kannte, aber eben nicht ausreich- end Detaills über ihre schwierigen Versuche eine gemeinsame Lebensbasis zu finden. Beide habe ich so zum Schutz der Persönlichkeitsrechte verändert, dass sie sich als Probeleser zwar wiedererkannten, aber für Außenstehende nicht identifizierbar werden. Das gilt auch für alle anderen handelnden Personen in dieser Erzählung, deren Namen teilweise nur unwesentlich verändert wurden, aber hinreichend um sie nicht identifizieren zu können. In den früheren Fassungen war Paul noch ein gelernter KFZ-Mechaniker, aber mir wurde immer wieder deutlich, dass seine Persönlichkeit nicht wirklich überzeugend rüberkam, - was auch daran lag, dass mir dieser Beruf nie wirklich vertraut wurde.
Ausgehend von meiner damals bereits sehr ausufernden Erkrankung und dem von Ärzten prognostizierten Tod innerhalb der nächsten zwei Jahre, habe ich mich nach der 3.Fassung zu einer letzten Überarbeitung entschlossen, denn ich wollte nach meinem Tod irgend etwas hinterlassen, was bezeugen konnte, dass ich gelebt habe. Meine Sterbebegleiterin - eine Pastorin - überzeugte mich davon, dass da mein Roman eine genau richtige Quelle sein könnte. Da ich davon ausgehen musste, dass ich nicht mehr lange leben würde, und dass mein männlicher Hauptprotagonist und Quasierzähler dieser Geschichte in den vorangegangenen Fassungen nicht sehr überzeugend wirkte, entschloss ich mich ihm einen großen Teil meiner Persönlichkeit zu geben, um auch damit noch etwas Zusätzliches von mir und meinem Leben zu hinterlassen.
Schlagartig, so bestätigten mir Probeleser, wurde damit mein erzählender Hauptprotagonist absolut glaubwürdig und nachvollziehbar. Ich lebe wider Erwarten zwar immer noch, habe aber diese Veränderung nicht mehr rückgängig gemacht, - denn sie gefällt mir ausnehmend gut.
Zweite Ausgangsbasis für den Leser/-in ist eine späterblindete ältere Frau, der mein Hauptprota- gonist versprochen hatte ihr irgendwann zu erzählen, wie das alles war, als er und Katharina sich trafen und zusammenkamen, - und zwar sehr genau und detailliert, denn Selma liebt lange und genaue Geschichten, mit denen sie sich wohlfühlt. Sie schreibt Paul einen Brief auf der Schreibmaschine, die sie aber nicht wirklich fehlerfrei beherrscht, - das erklärt diesen seltsamen Brief ( Prolog 1) am Anfang des Romans. Durch die Fehler wird der Brief authentisch. Paul antwortet ihr mit einem mehrere tausend Seiten langen Brief und erzählt ihr alles detailliert, eben in 3 Büchern und 6 Bänden, so wie er hier jetzt vorliegt. So wie Paul ihr das erzählt, wird der Leser/-in immer wieder in die Rolle eines blinden Menschen hineingeführt, muss lernen, was Paul lernen musste. Das ist manchmal etwas schwierig und verlangt dem Leser/-in durchaus einiges an Hineindenken ab, - aber das ist auch so gewollt von mir.
Es gibt “Das Buch der Liebe” - “Das Buch des Sturms” - “Das Buch der Hoffnung”, - jeweils in 2 Bände unterteilt, also insgesamt 6 Bände.
Die ganze Erzählung spielt in den 70er Jahren, schwenkt immer wieder vom persönlichen Leben der Protagonisten weg zu individuellen Zeitbetrachtungen, ohne dabei geschichtlich nüchtern und sachbetont zu werden. Daher ist es auch kein Geschichtsunterricht, sondern individuelle Wahrnehmung der bundesdeutschen Geschichte. Die Übergänge zum ganz persönlichen Leben meiner protagonisten bleiben dabei fließend. Es war eine Zeit der Aufbruchstimmung, wo wir alle von Illusionen beherrscht und schon wieder enttäuscht und betrogen wurden, wo alles Denkbare möglich schien und viele an die große Revolution für eine bessere, gerechtere Gesellschaft glaubten und dafür stritten, für Sozialis- mus und eine fortschrittlich agierende Gesellschaft, die die überkommenen Regeln über Bord werfen würde. Es war die Zeit von Politikern wie Willi Brandt und Helmut Schmidt, von ganz neuen gesellschaftlichen Perspektiven und der immer stärker ausufernden Zersplitterung der bundesdeutschen Linken und Linksliberalen. Es war die Zeit der endlosen und ermüdenden Theoriediskussionen über Sozialismus - Kapitalismus - Marxismus - Trotzkismus - Anarchismus und den überall erkennbaren Widersprüchen in diesen Utopien, die bei vielen auch nahezu paranoide Weltverschwörungsfantasien und Realitätsverluste auslösten.
Es war aber auch die Zeit der Suche nach neuen Formen des menschlichen Zusammenlebens, der Partnerschaften und der Auflösung von traditionellen Werten wie Ehe und Kirche, Familie und Erziehung. Menschen suchten nach neuen Werten und Inhalten, und machten Fehler in dieser Entwicklung, weil sie dafür keine Vorgabe besaßen, nur gedankliche Utopien, die sie umsetzen und leben wollten. Es war die Zeit, die von der gesellschaftlichen und “sexuellen Revolution” - die nie wirklich eine war - geprägt wurde, die ebenfalls alles Denkbare möglich zu machen versprach, wenn man sich dafür engagierte. Es war nicht diese eher kalte Sexualität, die heute beiläufig und herabge- würdigt wie Fast Food mal eben so zwischendurch gedankenlos brutal konsumiert wird. Hinter allem steckte diese große Sehnsucht nach echten Gefühlen und Liebe, aber auch von Aufsässigkeit, Unangepasstheit und Revolte gegen die überkommenen Werte.
Vieles davon ist heute völlig zerstört oder ad absurdum geführt, aber nicht wirklich vergessen.
Dabei sind meine Protagonisten keine typischen 68er, keine rebbellierenden Studenten, sondern eher am Rande angesiedelt, aber deswegen nicht ohne gesellschaftlichen Engage- ment, aber ebenso überrollt von einer Politik, die auch damals schon unübersehbare Tendenzen zur Korruption und Verlogenheit aufwies, wie sie heute kreuz und quer durch alle Parlamente und gesellschaftlichen Institutionen herrscht.
Vielleicht erklärt diese Einführung einiges von dem, was Menschen der 80er Generation heute so fremd und unwirklich erscheint. Es war eine andere Gesellschaft, ein anderes Land, eine andere Zeit - und doch mit heute verflucht ähnlich ...
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